Proust (107)

von Bert

Marcel darf bei Robert in der Kaserne schlafen und ist überglücklich. Vergleichende Betrachtung des Aussehens der Herzogin und ihres Neffen, sie ähneln sich, was jetzt nicht die große Überraschung darstellt. Die zweite Nacht muss er jedoch im Hotel schlafen und – nächste Überraschung! – es gefällt ihm dort außerordentlich gut. Er fühlt sich aufgehoben und geborgen und macht sich keine Gedanken über den Schlaf. Betrachtungen über den guten Schlaf.

Ich hatte keine Zeit traurig zu sein, denn ich war nicht einen Augenblick allein. Von dem ehemaligen Palais [jetzt Hotel in dem Marcel übernachtet] nämlich war ein Überschuß an Luxus geblieben, der in einem modernen Hotel nicht nutzbar zu machen war und der nun, ohne jede praktische Bestimmung, in seiner Untätigkeit ein Eigenleben führte: Korridore, die hin und her liefen und auf deren durch keinen Zweck bedingtes Kommen und Gehen man unaufhörlich stieß, Vorzimmer, langgestreckt wie Galerien und ausgestattet wie Salons, die eher wirkten, als wohnten sie dort selbst, anstatt daß sie einen Teil des Wohnraums bildeten; man hatte sie für keines der Zimmer verwenden können, und so trieben sie sich bei meinem herum und kamen auf der Stelle, um mir ihre Gesellschaft anzubieten; eine Art von müßigen, aber nicht lärmigen Nachbarn oder von untergebenen Geistern der Vergangenheit, denen man erlaubt hatte, ein geräuschloses Dasein vor der Tür der Gästezimmer zu führen; jedesmal, wenn ich sie auf meinem Weg fand, begegneten sie mir mit stiller Zuvorkommenheit. (3.110)