Proust (109)

von Bert

Marcel speist regelmäßig mit Robert in einem Hotelrestaurant. Blicke durch die Fenster in die hellen Räume beim abendlichen, dunklen Weg zum Essen. Beschreibung Speisesaal. Endlich nimmt er sich ein Herz und fragt Robert – wenn auch mal wieder sehr ungeschickt – nach der Herzogin aus, »diese[r] treffliche[n] Oriane« (3.135), die er angeblich nur vom »literarischen Gesichtspunkt … von einem balzacianischen Standpunkt aus« (3.136) interessiert. Typisch Marcel: Tut mal wieder so, als sei er dann doch sogar nicht an ihr interessiert und stellt es als Freundchafstprobe hin, ob Robert es wohl gelingen würde, dass die Herzogin Marcel zum Essen einlädt. Er bietet Robert das Du an.

Und auch in dem großen Speisesaal, den ich am ersten Tage durchschritt, um zu dem kleinen Raum zu gelangen, in dem mein Freund auf mich wartete, erinnerten an ein mit der Naivität der alten Zeit und in flandrischer Übertreibung gemaltes biblisches Festmahl all die unzähligen Fische, Poularden, Auerhähne, Schnepfen, Tauben, die, fertig dressiert und dampfend, von atemlosen Kellnern, die auf dem Parkett entlangglitten, um rascher zur Stelle zu sein, zum sofortigen Tranchieren herbeigetragen und auf der ungeheuren Anrichte abgestellt wurden, wo sie aber – da viele Gäste mit Essen schon fast fertig waren, als ich kam – sich vielfach ungenutzt häuften, ganz als entspreche ihre Fülle und die Eile, mit der sie herbeigeschafft wurden, weit mehr als den Bestellungen der Gäste der Achtung vor dem Buchstaben der Heiligen Schrift, der gewissenhaft befolgt, aber in naiver Weise durch realistische Einzelheiten illustriert wurde, die dem lokalen Leben entnommen waren und zugleich dem ästhetisch und religiös bedingten Bedürfnis entsprangen, durch die Fülle der Speisen und den Eifer der Auftragenden den Glanz des Festes augenfällig zu machen. (3.133)