Proust (113)

von Bert

Robert erhält vielleicht nun doch Urlaub. Seine Kameraden bestürmen Marcel, auf alle Fälle zu bleiben. Ausführliche Vorstellung des Vorgesetzten Roberts und ein Vergleich der »zwei Aristokratien … dem alten Adel und dem des Kaiserreichs« (3.179). Robert hat ein Telefonat zwischen Marcel und seiner Großmutter angeleiert – seltenes Ereignis, denn 1880 gab es in Paris gerade mal 300 Anschlüsse. Über das Wunder des Telefonierens, die Macht der »Telephonfräulein« (3. 183) und der Geschiedenheit von »Realpräsenz dieser so nahen Stimme – bei tatsächlicher Trennung« (3.184)

Wir brauchen, damit sich dieses Wunder [des Telefonierens] vollzieht, unsere Lippen nur der magischen Membrane zu nähern und – manchmal etwas zu lange, ich gebe es zu – die wachsamen Jungfrauen zu rufen, deren Stimme wir täglich hören, ohne je ihr Gesicht zu kennen, und die unsere Schutzengel in jenem schwindelerregenden Dunkel sind, über dessen Pforten sie eifersüchtig wachen; die Allmächtigen, durch die die Abwesenden neben uns aufsteigen, ohne daß es erlaubt wäre, sie zu gewahren; die Danaiden des Unsichtbaren, die unablässig die Urnen der Töne leeren, füllen und einander übergeben; die ironischen Furien, die, während wir einer Freundin etwas Vertrauliches zuflüsterten, in der Hoffnung, daß niemand uns höre, uns grausam »Hier Amt« zurufen; die ewig gereizten Dienerinnen des Mysteriums, die argwöhnischen Priesterinnen des Unsichtbaren, die Telephonfräulein! (3.183)