Proust (117)

von Bert

Marcel kennt die Geliebten Roberts bereits – aus dem Bordell, in das er ging. Zugange war er mit ihr nie, weiß aber noch gut den Preis: 20 Francs. Betrachtungen darüber, dass zwei Menschen zwar »das gleiche, kleine, schmale Gesicht« (3.219) sehen, aber jeweils einen anderen Menschen vor sich haben. Über »die menschliche Einbildungskraft und die Illusion, auf der die Schmerzen der Liebe beruhen« (3.221). Auf dem Weg zum Bahnhof wird Rachel von zwei Kolleginnen angesprochen – Robert beginnt indirekt etwas zu ahnen, denn die Beziehung läuft nicht gut, da sie nur dann freundlich zu ihm ist, wenn das entsprechende Geld fließt. Sie verhehlt nicht, dass sie auch Augen für andere Männer hat, u.a. auch für den Oberkellner aus Balbec, der sie bedient.

Ich sah ein, daß etwas, was mir keine zwanzig Francs wert gewesen war, als es mir für ebendiesen Preis in einem Bordell angeboten wurde, wo es für mich nur eine Frau war, die gern zwanzig Francs verdienen wollte, mehr als eine Million, mehr als eine hochangesehen Familie oder eine allgemein beneidete Stellung im Leben wert sein kann, wenn man sich in ihr ein unbekanntes Wesen vorzustellen beginnt, das interessant zu kennen, mühsam zu erringen  und schwer festzuhalten ist. (3.219)