Proust (118)

von Bert

Rachel macht nicht nur Aimé, dem Oberkellner, schöne Augen. Dennoch unterhält man sich über Literatur und Rachel macht dabei eine äußerst gute Figur. Dennoch wird Robert irgendwann zornig, weil sie mit einem jungen Mann vom Nachbartisch liebäugelt. Wenig später trifft man sich dann aber wieder bei Champagner in einem Chambre séparée als sei nie etwas gewesen. Robert will Marcel die Bühne überlassen, der will aber nicht, also schaut man zu, was Rachel auf der Bühne zu leisten vermag – nicht gerade umwerfend viel, wie es scheint. Wie lernt man andere kennen, wenn doch »die Zahl der menschlichen Schachfiguren kleiner ist, als die der Kombinationen, die sich aus ihnen ergeben können« (3.241f)?

Dank dem Champagner, den ich mit ihnen trank, ergriff mich allmählich ein ähnlicher Rauschzustande, wie in Rivebelle, doch vermutlich nicht genau der gleiche. Nicht nur jede Art von Rausch – von jenem, den die Sonne oder das Reisen schenkt bis hin zu jenem, der von Müdigkeit oder Wein herrührt –, sondern auch jeder Grad des Rausches, der seine besondere »Lotzahl« tragen sollte wie der Meeresboden, deckt in uns genau in der Tiefe, in der er sich befindet, einen besonderen Menschen auf. (3.236)