Proust (130)

von Bert

Robert hat ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Geliebten – Verliebte sehen selten klar – und entscheidet, ihr das Kollier zu kaufen. Das will sie aber nicht mehr. Schneller Abschied von seiner Mutter, die etwas indigniert zurückbleibt. Auftakt zu einer weiteren großartigen Stelle der Recherche: Baron de Charlus biedert sich Marcel an. Das aber nicht schmeichelnd und / oder bittend bzw. wohlwollen und höflich. Nein, er putzt Marcel einfach mal runter. Marcel ist für ihn ein »›Bursche … der dem‹ (und er betonte das Wort mit Genugtuung) ›Kleinbürgertum angehört … ‹«(3.401). Aber er könne von »unschätzbarem Wert« (3.402) sein, denn: »Ich könnte Ihnen eine unbekannte Erklärung nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft geben« (ebd).

»Sie wollten mit mir über etwas reden, Monsieur?«
»Ach ja, richtig, ich wollte Ihnen gewisse Dinge sagen, aber ich weiß nicht recht, ob ich es wirklich tun soll. Ich bin zwar überzeugt, daß sie Ihnen unschätzbare Möglichkeiten eröffnen könnten. Doch ahne ich auch, daß das Ganze in meinem Alter, wo man anfängt, auf Ruhe Wert zu legen, viel Zeitverlust und Störungen aller Art in mein Leben trüge. Nun, ich frage mich, ob es sich bei Ihnen lohnt, daß ich mir um Ihretwillen all diese Mühe mache, und ich habe nicht das Vergnügen, Sie genügend zu kennen, um das zu entscheiden. Vielleicht verlangt es Sie auch nicht genug nach dem, was ich für Sie tun könnte, als daß ich mir deswegen so viele Ungelegenheiten mache, denn ich sage Ihnen noch einmal ganz offen, Monsieur, für mich kann es sich dabei wahrscheinlich nur um Ungelegenheiten handeln.« (3.399)