Proust (131)

von Bert

Baron de Charlus entpuppt sich als glühender Antisemit von der ekligen Sorte. So hätte Dreyfus ja sein Vaterland gar nicht verraten, weil er als Jude dann Judäa hätte verraten müssen und ob der Ausländer Bloch ihn nicht mal zu einem Fest mitnehmen könne. Charlus würde gerne seine »geistige Erbschaft« (3.408) Marcel übergeben, verlangt dafür Gehorsam, dass er ihn »sehr häufig, jeden Tag« (4.408) sehen kann und das Marcel Opfer bringen muss: »Das erste Opfer, daß Sie mir bringen müssen – ich werde ebenso viele von Ihnen fordern, wie ich Ihnen Geschenke mache – besteht darin, die Gesellschaft zu meiden« (4.410). Selbstverständlich will er auch die Wahl der männlichen Freunde übernehmen und rät Marcel: »Halten Sie sich Mätressen … Sie kleiner Schlingen, Sie Schlingel, der Sie bald nötig haben werden, sich rasieren zu lassen« (4.413).

Vielleicht könnten Sie Ihren Freund [Bloch] bitten, mich irgendeinem schönen Fest im Tempel, einer Beschneidung oder einer Darbietung jüdischer Sänger, beiwohnen zu lassen. Oder er könnte einen Saal mieten und mir mit irgendeinem biblischen Divertissement aufwarten, so wie die Mädchen von Saint-Cyr Racines Szenen aus den Psalmen aufführten, um Ludwig xiv. zu zerstreuen. Vielleicht könnten Sie sogar irgendwelche komischen Auftritte veranstalten, zum Beispiel einen Kampf zwischen Ihrem Freund und seinem Vater, bei dem er ihn verletzen würde wie David den Goliath. Das würde eine ergötzliche Farce ergeben. Er könnte sogar, wenn er schon dabei ist, tüchtig auf seiner Mutter herumprügeln, dem alten Aas oder Rabenaas, wie meine alte Kinderfrau sagen würde. Das wäre ganz ausgezeichnet und kein unerfreulicher Anblick für uns beide, hm?, mein junger Freund; denn wir lieben doch exotische Schauspiele, und Prügel für diese außereuropäische Kreatur wären eine verdiente Züchtigung für ein altes Kamel.(3.404)