Proust (134)

von Bert

BAND III: GUERMANTES – 2. Teil – Erstes Kapitel

Marcel bringt die Großmutter nach Hause, nachdem er sie geistesgegenwärtig noch bei Professor E. vorbeigebracht hat. Der diagnostiziert: »Ihre Großmutter ist verloren … Es handelt sich um einen Schlaganfall, der auf eine Urämie zurückgeht« (3.445). Über Krankheit und Tod. Zuhause kümmern sich alle um die Großmutter, allen voran Françoise, die nahezu über sich herauswächst und keine Hilfe bei der (zusätzlichen) Arbeit duldet: »Daß jemand ihr Beistand leisten wollte, betrachtete sie als Kränkung  …« (3.451).

Nicht, daß sie [Françoise] meine Großmutter nicht aufrichtig liebte …, aber sie hatte einen gewissen Hang, immer das Schlimmste ins Auge zu fassen, und von ihrer Kindheit her zwei Dinge beibehalten, die sich auszuschließen scheinen, die aber, wenn sie zusammentreffen, sich gegenseitig verstärken: die mangelnde Erziehung der Leute aus dem Volk, die ihre Eindrücke nicht zu verbergen trachten, zum Beispiel den schmerzlichen Schrecken, den in ihnen der Anblick einer physischen Veränderung auslöst, die nicht bemerken zu wollen zartfühlender wäre, und die fühllose Derbheit der Bäuerin, die den Libellen die Flügel ausreißt, bevor sie Gelegenheit hat, einem Hähnchen den Hals umzudrehen, und die nicht genügend Schamgefühl besitzt, um das Interesse zu verbergen, das der Anblick körperlichen Leidens in ihr weckt. (3.448)