Proust (136)

von Bert

Der Großmutter geht es Stund‘ um Stund‘ schlechter: Seh-, Hör- und Sprechstörungen. Die Familie kümmert sich rührend, aber genauso auch hilflos. Blutegel sollen helfen, die »wanden sich an Nacken, Schläfen und Ohren … in ihrem blutigen Haar wie in dem der Medusa« (3.468f). Françoise nimmt sich Auszeiten: »Im Leben der meisten Frauen läuft alles, selbst der größte Schmerz, schließlich auf eine Anprobe hinaus« (3.470). Eines Nachts wird Marcel von der Mutter geweckt, mit der Großmutter geht es zu Ende. Alles ist versammelt, selbst der Herzog von Guermantes taucht auf und zeigt, dass er eines nicht hat: Feingefühl.

Nach der Meinung unseres Arztes war das [die Großmutter erkennt niemanden mehr] ein Symptom dafür, daß der Blutandrang in dem Gehirn zunahm. Man mußte ihm Erleichterung verschaffen. Cottard zögerte. Françoise hoffte einen Augenblick, man werde »Schöpfköpfe« verwenden. Sie suchte in meinem Lexikon, um zu erfahren, wie diese wirkten, konnte sie aber nicht finden. Auch wenn sie »Schröpfköpfe« anstatt »Schöpfköpfe« gesagt hätte, hätte sie dieses Wort nicht eher gefunden, denn sie suchte ebensowenig unter »Schöpf« wie unter »Schröpf«; tatsächlich sagte sie zwar »Schöpfköpfe«, doch sie schrieb (und glaubte deshalb man schreibe) »Tschöpfköpfe«. (3.468)