Proust (139)

von Bert

Außergewöhnlich ist der Besuch Albertines nicht, sie kommt öfters. In ihr haben in der Zwischenzeit »Umwälzungen stattgefunden« (3.499) mit der Folge, dass »ihre Intelligenz zum Beispiel … jetzt deutlicher zutage« (3.495) tritt. Über die Entwicklung von Personen (insbesondere Frauen, sehr schön formuliert und ausgearbeitet, wenn auch sicher nicht feministisch). Marcel hofft, sie werde sich nun endlich mal küssen lassen (vgl. 98) und – wir kennen ihn – er redet und redet, »was in keiner Weise aus[drückte], was ich dachte und begehrte« (3.496). Mit der Behauptung, er sei überhaupt nicht kitzlig, will er sie dann doch auf sein Bett bekommen – aber genau in dem Augenblick kommt Françoise ins Zimmer. Selten gutes Detailportrait Françoise‘.

Was nun jene Lust angeht, die mein Verlangen erfüllt und mich dadurch von dieser Phantasterei befreit hätte, die ich aber genausogern bei jeder beliebigen anderen hübschen Frau gesucht hätte, so würde ich auf die Fragen, worauf sich eigentlich (…) meine optimistische Annahme in bezug auf möglicherweise zu erreichende Gefälligkeiten gründete, vielleicht zur Antwort gegeben haben, ich hätte sie aus der Tatsache geschöpft, daß Albertine jetzt (während die vergessenen Eigenheiten ihrer Stimme für mich von neuem die Umrisse ihrer Persönlichkeit nachzeichneten) in ihrem Vokabular bestimmte Worte führte, die früher nicht darin enthalten waren, oder doch wenigstens nicht in dem Sinn, in dem sie sie jetzt gebrauchte. (3.497)