Proust (140)

von Bert

Man kann es sich selber schwer machen, indem man a) alles theoretisiert oder b) akribisch den Wunsch mit der Wirklichkeit abgleicht und versucht zu erahnen, wir die Wirklichkeit nach einer Aktion sein könne. Marcel beherrscht A und B gleichzeitig: Es »war jedenfalls das Wissen, Albertines Wangen küssen zu können, für mich vielleicht ein noch größeres Vergnügen als jenes, sie wirklich zu küssen« (3.507). Ob er einen »Gutschein für einen Kuß« (3.509) bekommen könne? Schließlich schreitet er doch noch zur Tat! Über die Hingabe (wenn auch mal wieder nur die der Frau. Als Feminist wird man Proust / Marcel nicht bezeichnen können).

Aber ach! – denn für den Kuß sind Nase und Auge ebensoschlecht plaziert wie die Lippen schlecht beschaffen – plötzlich hörten meine Augen auf zu sehen, meine Nase, ihrerseits, plattgedrückt, nahm überhaupt keinen Geruch mehr wahr, und ohne mir darum von dem Geschmack der ersehnten Rosenfarbe mehr zu verraten, sagten mir diese scheußlichen Zeichen, ich küsse nun endlich die Wange Albertines. (3.512f)