Proust (118)

von Bert

Über Etikette am Hofe Ludwigs XIV. Über den adeligen Esprit und die Umgangsformen der Guermantes (Proust muss echt einen Fetisch für den Adel gehabt haben). Lange (!) und akribische Analyse, wie es den Guermantes gelingt, so zu tun als seien sie ganz normal, aber dennoch allen klar zu machen, das sie etwas besseres sind.

Die Theorien der Herzogin, die nun allerdings derartig Guermantes war, daß sie gewissermaßen zu etwas anderem, etwas Angenehmerem wurde, stellten so unbedingt den Geist über alles andere und waren in der Politik so sozialistisch, daß man sich fragte, wo sich in ihrem Palais der Hausgeist verbarg, der dafür sorgte, daß der aristokratische Lebenszuschnitt aufrechterhalten wurde, und, immer unsichtbar, aber offenbar bald im Vorzimmer, bald im Salon, bald im Ankleidezimmer versteckt, die Dienstboten dieser Frau, die nicht an Titel glaubte, daran erinnerte, stets »Madame la Duchesse« zu ihr zu sagen, und diese Frau selbst, die nur die Lektüre liebte und sich nichts aus anderen Menschen machte, wenn die Uhr acht schlug, zu ihrer Schwägerin zum Diner zu fahren und sich zu diesem Zweck zu dekolletieren. (3.617)