Mal kurz eben

von Bert

Kurz nach halb neun läutet das Telefon. Ein Herr S. will von mir wissen, ob ich »da« sei. Da ich am Telefon bin, ist leugnen schwer – außerdem ist er Mitarbeiter am Landgericht. Ich möge mich doch bitte als Ersatzschöffe aufmachen, die Verhandlung begänne umd 9 Uhr, drei Berufungsverhandlungen, ein Tag am Gericht.

Ich, der gehorsame Bürger, packe meine Sachen und fahre los – ist ja eh nicht weit. Auf dem Weg dorthin nochmals Herr S., er hätte sich getäuscht, es sein ein andere Saal, eine Berufungsverhandlung und auf zwei Tage angesetzt.

Mit der Mitschöffin langes Warten auf die Vorsitzende Richterin, die auch fünf Minuten zu spät erscheint. Sie kündigt an, dass es jetzt erst zu einem Rechtsgespräch kommen würde was entscheidend sei, ob die Berufungsverhandlung überhaupt stattfindet. Zwei Stunden später haben sich alle Verfahrensbeteilgten geeinigt, den Haftbefehl unter einer langen Latte von Auflagen auszusetzen.

Wenig spannend das Ganze – im Saal zudem echt kalt und daher ungemütlich.