Proust (150)

von Bert

Proust kann nicht genug vom Adel und ihren Salons bekommen. Beschreibung der Hinterhältigkeiten der Teilnehmenden, um selber im besseren Licht dazustehen, während andere diskreditiert werden. Darüber, dass der einmal gewonnene Stand durch harte und hinterlistige Kämpfe erhalten werden muss. Analogien zur Politik. Geheimnis des Erfolges des Herzog und der Herzogin von Guermantes – sie sind Verbündete, nicht Verliebte. Das bekannte Lied von Sein und Schein.

Die Wandlungen im Urteil der Herzogin machten vor niemandem halt, ausgenommen vor ihrem Mann. Er allein hatte sie niemals geliebt; in ihm hatte sie immer einen eisernen Charakter gespürt, der ihre Launen nicht beachtete und ihre Schönheit übersah, brutal und von jenem unbeugsamen Willen beseelt, unter dessen Gesetz nervöse Menschen allein Ruhe finden können. Monsieur de Guermantes dagegen, der immer einem gleichen Typ weiblicher Schönheit nachjagte, ihn aber in häufig wechselnden Geliebten suchte, hatte, sobald er wieder eine verlassen, immer nur eine einzige, stets gleichbleibende Verbündete, mit der er sich über die Verlassene lustig machen konnte: eine Verbündete, die ihn oft durch ihr Geschwätz reizte, von der er aber wußte, daß alle sie für die schönste, tugendhafteste, gescheiteste, gebildetste Frau der Aristokratie hielten, für eine Frau, die er, Monsieur de Guermantes, sich glücklich schätzen könne, gefunden zu haben, die alle seine Unregelmäßigkeiten deckte, wie niemand sonst zu empfangen verstand und ihrem Salon den Ruf erhielt, der erste des Faubourg Saint-Germain zu sein. (3.661)