Proust (154)

von Bert

Weiter geht es in der munteren Konversation. Baron de Charlus bekommt sein Fett genauso ab wie Robert de Saint-Loup. »Von nun an wurde ich unaufhörlich, wenn auch manchmal nur in kleinem Kreis, zu diesen Mahlzeiten eingeladen …« (3.717f). Damit ist Marcel in die Gesellschaft aufgenommen und lernt deren Protagonistinnen und Protagonisten nacheinander kennen. Eines Abends geraden die Prinzessin von Parma und Oriane de Guermantes sich etwas in die Haare, weil die erstere sich bei einem General einsetzen will, das Robert von Marokko wegversetzt wird, während Oriane darin keine Notwendigkeit sieht.

»Immerhin, Oriane, Sie sollten doch gerade an Ihren Schwager Palamède [d.i. Baron de Charlus] denken, von dem Sie eben gesprochen haben; keine Geliebte kann hoffen, so sehr beweint zu werden wie die arme Madame de Charlus.«
»Ach!« antwortete die Herzogin, »Königliche Hoheit [d.i. Prinzessin von Parma] müssen mir erlauben, daß ich da nicht ganz der gleichen Meinung bin. Nicht jeder möchte auf dieselbe Weise beweint sein, jeder hat auch darin seinen speziellen Geschmack.«
»Jedenfalls bringt er ihr doch einen wahren Kult seit ihrem Tode entgegen. Freilich tut man manchmal für die Toten Dinge, die man für die Lebenden nicht getan hätte.«
»Zuerst einmal«, antwortete die Herzogin von Guermantes in einem träumerischen Ton, der im Widerspruch zu ihrer spöttischen Absicht stand, »geht man zu ihrem Begräbnis, was man ja für die Lebenden nicht tut!« (3.710)