Durch die Zeit

Heute …

… einfach nichts zu vermelden.

Proust (156)

Für heutige Zeiten nur schwer nachvollziehbare Huldigung des Adels und das Wissens Marcels, letztendlich nie wirklich dazuzugehören: »So schließt die Aristokratie in ihrem gewichtigen Bau, der von nur wenigen Fenstern durchbrochen, wenig Licht eindringen läßt und denselben Mangel an Auflockerung, aber auch die gleiche massive geschlossene Mächtigkeit aufweist wie die romanische Architektur – hinter schroffen Mauern verborgen – die Gesamtheit der Geschichte ein« (3.752). Marcel macht sich zum Aufbruch bereit, um »den Gästen (zu) erlauben … endlich mit ihrer Geheimsitzung zu beginnen. Sie würden nun die Mysterien zelebrieren können, zu deren Zelebrierung sie sich versammelt hatten, denn offenbar waren sie doch nicht hier, um über Franz  Hals oder den Geiz zu reden, noch dazu auf die gleiche Art wie die Leute des Bürgertums« (3.761).

Oft aber ging die Vetternschaft sehr viel weiter, da Madame de Guermantes sich eine Pflicht daraus machte, »Liebe Tante« zu Personen zu sagen, mit denen sie keine gemeinsamen Vorfahren fand, wenn sie nicht wenigstens bis auf Ludwig XV. zurückging; dementsprechend konnte denn auch, jedesmal wenn das Unglück der Zeiten es mit sich brachte, daß eine Milliardärin einen Fürsten heiratete, dessen Ururgroßvater ebenso wie derjenige von Madame de Guermantes mit einer Tochter Louvois’ vermählt gewesen war, die amerikanische Dame ein besonderes Vergnügen darin finden, gleich bei einem ersten Besuch im Hôtel de Guermantes, wo sie im übrigen mehr oder weniger schlecht aufgenommen und mehr oder weniger gründlich zerpflückt wurde, zu der Herzogin, die es mit mütterlichem Lächeln geschehen ließ, »Liebe Tante« zu sagen. (3.749f)

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