Proust (158)

von Bert

Großes Kino! Richtig großes Kino! Charlus rammt Marcel ungespitzt in den Boden, weil er eine Botschaft eines Buches, welches Charlus ihm in Balbec schenkte (siehe Nr. 82), übersehen hat und er sich zudem erdreistete zu behaupten, mit ihm »in Beziehung« (3.779) zu stehen. Irgendwann rastet Marcel aus, zerfetzt den neuen Zylinder des Barons und stürmt hinaus. Der hinterher, besänftigend: »… wenn ich Sie gezüchtigt habe, so weil ich Sie eben liebe« (3.784). Dann erklärt er Marcel ausführlich: »Meine Sympathie für Sie ist ein für allemal erloschen« (3.786), ist aber so nett, ihn mit der Kutsche nach Hause zu begleiten, denn »(b)ei meinem Wunsch, sie nicht wiederzusehen, spielt es keine Rolle, ob ich noch fünf Minuten länger mit Ihnen zusammen bin« (3.788). Aber da er noch ein Geschenk für ihn hat … wird es nicht die letzte Begegnung sein. Wirklich großes (Tucken-)Kino!

»Ah!« antwortete er in verächtlichem Ton, »wie schlecht wissen die jungen Franzosen in den Kunstwerken unseres Landes Bescheid. Was würde man von einem jungen Berliner sagen, der die Walküre nicht kennt? Sie scheinen Ihre Augen nicht zum Sehen zu haben, da Sie mir ja sagten, Sie hätten zwei Stunden vor jenem Meisterwerk verbracht! Ich sehe, Sie verstehen ebensowenig von Blumen wie von Stilen: erwidern Sie nichts, was die Stile anbetrifft«, rief er mit einer vor Wut sich überschlagenden Stimme. »Sie wissen ja nicht einmal, worauf Sie sich niedersetzen. Sie bieten Ihrem Hinterteil eine Directoire-Chauffeuse als Louis-Quatorze-Sessel an. Eines Tages werden Sie die Knie von Madame de Villeparisis für den Abtritt halten und wer weiß was dort tun. Ebensowenig haben Sie auf dem Einband des Buches von Bergotte das Vergißmeinnichtmotiv am Sturz der Kirche von Balbec erkannt. Gab es eine deutlichere Art, Ihnen zu verstehen zu geben: ›Vergessen Sie mich nicht‹? (3.777)