Proust (162)

von Bert

BAND IV: SODOM UND GOMORRHA – 1. Teil

Marcel liegt auf der Lauer (siehe Nr. 159) und kann beobachten, wie Baron de Charlus von Madame Villeparisis zurückkommend auf dem Hof auf den Westenmacher Jupien trifft. Die beiden ›erkennen‹ sich sofort, nach kurzem Geplauder, ziehen sich zurück und haben – wie Marcel, der ihnen nachschleicht, deutliche hören kann – Sex. Schnöde die Zusammenfassung, meisterhaft Prousts kenntnisreiche (*grins*) Beschreibung, der natürlich – Ironie? – die Szene gleich noch mit Marcels zusätzlichen Beobachtungen über Bienchen (oder auch Hummel) und Blüte anreichert. Eine Schlüsselszene der Recherche, die nicht nur das Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe nun endgültig eröffnet, sondern auch das der Moral, Sitte und Ethik.

Die Hummel hatte ich aus den Augen verloren, ich wußte nicht, ob sie das Insekt war, das die Orchidee benötigte, zweifelte aber nicht mehr daran, daß eine in der Gefangenschaft lebende Pflanze und ein sehr seltenes Insekt die ans Wunderbare grenzende Möglichkeit finden konnten, sich zu vereinigen, wo doch Monsieur de Charlus (…), der seit Jahren in dieses Haus immer nur zu den Stunden kam, zu denen Jupien nicht anwesend war, nun durch den Zufall einer Unpäßlichkeit von Madame de Villeparisis dem Westenmacher und damit dem großen Glück begegnet war, das Männern vom Schlage des Barons durch eines der Wesen geschenkt wird, die sogar, wie man sehen wird, unendlich viel jünger und schöner als Jupien sein können –, durch den Menschen, der vom Schicksal im voraus ausersehen ist, damit auch diese ihren Anteil an den Wonnen der Erde erhalten: den Mann, der einzig die alten Herren liebt. (4.15f)