Proust (164)

von Bert

Das Bild, welches Proust vom ›Homosexuellen an sich‹ zeichnet ist schlichtweg grauenhaft. Denn der ist nicht nur einsam und fast ausschließlich seinem Laster unterworfen, er ist nicht nur immer auf der – meist erfolglosen – Suche nach einer meist kurzfristigen Begegnung, nein, er hat auch »die besonderen Merkmale der Effeminiertheit ausgebildet« (4.34) und ist damit mehr Frau als Mann. Damit folgt er zwar weitgehend der zeitgenössischen wenn auch falschen ›Weib-Mann-Theorie‹ Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895), stellt aber in der Recherche dann aber auch ganz andere Typen von Homosexuellen dar. Er ist hier ganz Kind seiner Zeit – aber zumindest eines, was kein Blatt vor den Mund nimmt.

Freilich begnügen die Homosexuellen sich bei ihrer Suche nach einem männlichen Partner oft mit einem Homosexuellen, der ebenso feminin ist wie sie. (4.49)