Proust (166)

von Bert

Marcel sucht noch immer jemanden, der ihm dem Hausherrn, dem Fürsten von Guermantes, vorstellt. Er trifft auf den Marquis von Vaugoubert. Auf knapp fünf Seiten (67-72) meistervolle und scharfe Charakterisierung des verkappten Homosexuellen und seiner Frau. Hier Umkehrung der Geschlechterrollen bzw. -identitäten. Vaugoubert, ein erfolgreicher Botschafter, weiß um das Geheimnis der Homosexualität von Baron de Charlus und Proust bedauert das der »beschränkte Umfang [sic!] dieses Werkes« (4.67) es ihm nicht erlaubt das auszuführen. Charlus versteht es natürlich mal wieder sich in Szene zu setzen. Über das Vergessen und Erinnern von Eigennamen.

Der Gruß, mit dem er den meinen erwiderte, hatte nichts von dem, den Monsieur de Charlus an mich gewandt hätte. Diesem Gruß gab Monsieur de Vaugoubert außer den tausend Alfanzereien, die er für eine Eigentümlichkeit der großen Welt und der Diplomatie hielt, etwas Fesches, Schneidiges, das er mit einem Lächeln begleitete, um einerseits entzückt vom Leben schlechthin – während er innerlich an den Mißhelligkeiten einer Karriere würgte, in der es keine Beförderung, wohl aber die ständige Drohung der Versetzung in den Ruhestand gab –, andererseits jung, männlich und bezaubernd zu erscheinen, während er doch im Spiegel, in den er schon gar nicht mehr zu schauen wagte, die Runzeln in seinem Gesicht, das er so gern verführerisch bewahrt hätte, rundum sich fest einzeichnen sah. (4.68f)