Proust (183)

von Bert

Marcel spürt / (er)ahnt / vermutet / unterstellt / … Albertine, dass sie ihm gegenüber nicht ganz aufrichtig ist – »Selbstintoxikation« (4.301) durch Beobachtungen und Erinnerungen. Unerquickliche Gespräche und Marcel lästert mit bösen Worten über sie. Albertine wie Andrée lehnen lesbische Liebe – wie zwischen einer Schwester von Bloch und deren Cousine – lautstark ab, was Albertine nicht hindert, das Paar heimlich zu beobachten und dann zu behaupten, sie hätte nichts gesehen. Zärtlichkeiten zwischen den Freundinnen: Andreé legt »schmeichelnd ihren Kopf an Albertines Schulter« und küsst sie »mit halbgeschlossenen Augen in die Beugung des Hals[es]« (4.301). Madame de Cambremer lädt Marcel wiederholt ein und stellt die Ankunft von Robert de Saint-Loup und Baron de Charlus in Aussicht.

Diese Beschreibungen [dass Madame Swann als Kokotte Swann oft zum Besten gehalten hat] trugen dazu bei, daß sich im weiteren Verlauf meine Einbildungskraft dem Spiel überließ, sich vorzustellen, Albertine könnte, anstatt ein braves junges Mädchen zu sein, der gleichen Unmoral und Täuschungsbereitschaft huldigen wie eine ehemalige Kokotte, und ich dachte an alle Leiden, die mich in diesem Fall erwarteten, wofern ich sie jemals geliebt haben sollte. (4.302)