Proust (187)

von Bert

Marcel trifft sich entweder mit Albertine allein oder zusammen mit ihren Freundinnen (Andrée, Rosemonde, Gisèle). Guckt aber auch nach anderen jungen Frauen und benötigt »sieben bis acht Glas Portwein« (4.351), um sie anzusprechen. Über das Verlangen (stark!). Als immer mehr Gäste – und damit immer mehr junge Mädchen – kommen, versucht er Albertine von diesen fernzuhalten, aus Angst, sie könnte der »sapphische(n) Liebe« (4.354) erliegen. Der frönen – Skandal im Grand-Hôtel de Balbec – Blochs Schwester mit ihrer Freundin in aller Öffentlichkeit. Schützend hält aber Monsieur Nissim Bernard die Hand über sie – der selbst einen jungen Hotelbedienten aushält.

Ich ging dann zu dem Konditor, der gleichzeitig Erfrischungen feilbot, und nahm dort hintereinander sieben bis acht Glas Portwein zu mir. Sofort stellte dann da, wo zuvor ein unüberbrückbarer Zwischenraum zwischen meinem Wünschen und Handeln bestanden hatte, die Wirkung des Alkohols eine Linie her, die beides verband. Es gab nun keinen Platz mehr für Zögern oder Furcht. Es schien mir, daß das junge Mädchen mir einfach zufliegen müsse. Ich ging zu ihr, und wie von selbst flossen mir die Worte von den Lippen: »Ich würde gern mit Ihnen spazierengehen, wollen wir uns nicht auf die Falaisen begeben? Es stört uns dort niemand hinter dem kleinen Wald, der das zur Zeit unbewohnte Holzhaus vor jedem Luftzug schützt.« Alle Schwierigkeiten des Lebens waren geebnet, es gab kein Hindernis mehr für die Vereinigung unserer beiden Körper. Kein Hindernis wenigstens mehr für mich. Denn für sie, die ja keinen Portwein getrunken hatte, hatten die Hindernisse sich ja keineswegs zu einem Nichts verflüchtigt. Hätte sie es getan und hätte die Welt etwas von ihrer Realität in ihren Augen verloren, so hätte ihr seit langem gehegter Traum, dessen Verwirklichung ihr nun auf einmal möglich erschien, vielleicht überhaupt nicht darin bestanden, mir in die Arme zu sinken. (4.351)