Proust (204)

von Bert

Marcel und Albertine verbringen viel Zeit miteinander und sind meist mit dem Automobil unterwegs. Marcel mal wieder im Zwiespalt. Einerseits: »Ich hegte vielleicht Liebe zu Albertine, wagte aber nicht, sie etwas davon merken zu lassen« (4.610). Andererseits: »Ich konnte Eifersucht sogar verspüren, wenn ich mich neben ihr befand …« (ebd.) weswegen die beiden nie wieder nach Rivebelle zum Essen gehen, weil Marcel meint, der Kellner dort hätte ihr schöne Augen gemacht. Fazit: »Unaufhörlich verändern die Menschen im Verhältnis zu uns ihren Platz« (4.619)

Wenn es völlig dunkel geworden und, wie der Hoteldirektor sagte, der Himmel mit Sternen »übersägt« war, streckten wir uns – wofern wir nicht mit einer Flasche Champagner einen Ausflug in den Wald unternahmen –, ohne uns um die noch auf der schwachbeleuchteten Strandpromenade entlangwandelnden Spaziergänger zu kümmern, die schon in einer Entfernung von zwei Schritt auf dem schwarzen Sand nichts mehr erkennen konnten, unterhalb der Dünen aus; diesen gleichen Körper, in dessen Geschmeidigkeit die ganze weibliche, maritime und sportliche Anmut der Mädchen lebte, die ich das erste Mal vor dem Horizont des Meeres hatte vorbeiziehen sehen, ihn hielt ich jetzt an mich gedrückt unter derselben Decke am Strand des unbeweglichen, durch einen zitternden Strahl geteilten Meeres; unermüdlich und mit stets gleichem Vergnügen hörten wir ihm zu, sei es, daß es den Atem so lange anhielt, daß wir schon glaubten, sein Fluten habe aufgehört, sei es, daß es endlich zu unseren Füßen das schon früher erwartete, doch verzögerte Raunen wieder ausstieß. (4.616f)