Proust (210)

von Bert

Morel hält sich die Abende frei, um angeblich Geigenunterricht zu geben bzw. einen Algebrakurs zu besuchen. In Wahrheit vergnügt er sich u.a. mit dem Fürsten von Guermantes in einem Bordell – also die beiden miteinander. Baron de Charlus hat so eine Ahnung, lässt Jupien aus Paris kommen, der Morel ausspioniert. So stellt man Morel im Bordell eine Falle, denn der Baron will aus einem anderen Zimmer dessen Schuld mit eigenen Augen sehen. Doch als er endlich ein Blick hinein werfen kann, sieht er dort nur Morell mit drei Damen höflich plaudern: Eine Inszenierung Jupiens und der Pfuffmutter Mademoiselle Noémie. Über Pierre de Verjus, Graf von Grécy.

»Wie, Sie haben mich nicht persönlich die Truthähne tranchieren sehen?« Ich antwortete ihm [dem Hoteldirektor], daß ich, da ich Rom, Venedig, Siena, den Prado, das Dresdner Museum, Indien, Sarah in Phèdre bislang nicht gesehen hätte, an Resignation bereits gewöhnt sei und sein Truthahntranchieren meiner Liste noch hinzufügen werde. (…) »Das ist ganz gleich, ich bin untröstlich für Sie. Wann werde ich einmal wieder tranchieren? Es müßte schon etwas Besonderes kommen, zum Beispiel ein Krieg.« (Tatsächlich sollte es der Waffenstillstand sein.) (4.713f)