Proust (214)

von Bert

BAND V: DIE GEFANGENE

Paris. Marcel mit Albertine – »die ich übrigens kaum noch hübsch fand« (5.11) – und Françoise alleine in der Wohnung, die Mutter in Combray, der Vater … wird nichts dazu gesagt. Begann der erste Band mit dem Einschlafen, beginnt dieser mit dem Aufwachen. Albertine ist es verboten morgens in sein Zimmer zu kommen, wenn er nicht zuvor nach Françoise geläutet hat. Was er genießt ist die Zeit, die sie beide in ihrem jeweiligen Badezimmer, die aneinandergrenzen, verbringen. Die Mutter findet, dargelegt in den täglichen Briefen, es so gar nicht schicklich, dass die beide – unbeaufsichtigt – zusammenleben. Françoise achtet darauf, dass Albertine die zugegeben sehr eigenen Verhaltensregeln in der Wohnung einhält.

Sie [Albertine] hätte nie eine Tür geschlossen, umgekehrt aber sich ebensowenig gescheut, durch eine offenstehende einzutreten wie ein Hund oder eine Katze. Ihr etwas unbequemer Charme bestand darin, im Hause nicht wie ein junges Mädchen, sondern eher wie ein Haustier anwesend zu sein, das in ein Zimmer eintritt und es wieder verläßt, sich überall befindet, wo man es nicht erwartet, und sich – mir gab das ein tiefes Gefühl von Ruhe – neben mich auf mein Bett warf und sich dort einen Platz aussuchte, von dem sie sich nicht mehr rührte, ohne dabei wie sonst ein menschliches Wesen zu stören. (5.15)