Proust (215)

von Bert

Marcel bleibt wunderbar ambivalent. Er liebt sie »nicht im geringsten« (5.23) und ist froh, wenn sie von Andrée abgeholt wird, damit er endlich Ruhe hat, ergeht sich aber am dem Augenblick in Eifersucht, weil er nicht weiß, was die beiden machen und ob sie ihn beim heimkommen vielleicht nicht doch über ihre Aktivitäten belügt, »denn das Übel wohnte ja nicht in Albertine allein, sondern auch in anderen« (5.25.) Wohl zentral für den ganzen Band: »Einzig das Begehren, das sie bei anderen weckte, verlieh ihr, wenn ich davon erfuhr, wieder zu leiden begann und sie jenen streitig machen wollte, in meinen Augen neues Ansehen.« (5.34)

Denn wie ein ausgehungerter Rekonvaleszent, der schon im voraus alle Speisen genießt, die man ihm einstweilen noch vorenthält, fragte ich mich, ob eine Heirat mit Albertine nicht mein Leben ruinieren würde, einerseits, weil ich damit die für mich zu schwere Aufgabe übernehmen müßte, mich einem anderen Wesen zu widmen, andererseits aber auch dadurch, daß sie mich zwänge, infolge der unaufhörlichen Gegenwart einer anderen Person abwesend von mir selbst zu leben, und mich für immer der Freuden der Einsamkeit beraubte. (5.33)