Proust (216)

von Bert

Marcel erkundigt sich bei Herzogin von Guermantes, gilt sie doch nach Elstir »als die Frau in Paris, die sich am besten kleide« (5.41), nach modischen Accessoires für Albertine. Über die Sprechweise der Herzogin. Dreyfus-Affäre ist mal wieder Thema und aus der Bemerkung, dass sie »erst zwei Jahre« (5.50) zurückliegt, schließt der historisch Bewanderte: Wir schreiben das Jahr 1901.

»Sie hatten doch, Madame, als Sie bei Madame de Saint-Euverte speisten, bevor Sie zu der Fürstin von Guermantes gingen, ein ganz rotes Kleid und dazu rote Schuhe an, Sie sahen unerhört aus, wie eine große blutrote Blüte, ein Rubin in Flammen, was war das denn? Kann ein junges Mädchen so etwas tragen?« (…) »Ich wußte zwar nicht, daß ich wie ein Rubin in Flammen oder eine blutrote Blüte aussah, aber ich erinnere mich tatsächlich, daß ich ein rotes Kleid trug: Es war aus rotem Atlas, wie er damals hergestellt wurde. Ja, ein junges Mädchen kann unter Umständen so etwas tragen, doch Sie haben mir gesagt, daß die Ihre niemals abends ausgeht. Das war ein Abendkleid, und so etwas kann man nicht anziehen, um Besuche zu machen.« (5.47f)

Gräfin Élisabeth Greffulhe (1860-1952), eins der Vorbilder für die Herzogin de Guermantes, fotografiert vom Meister seiner Zeit: Paul Nadar.