Durch die Zeit

Monat: Januar, 2021

„Indischer Tempel-Eunuche“

Das war die Beschreibung meines Mannes zu meinem Aussehen, als ich mir einen Corona-Haarschnitt gegönnt und alles auf 4 mm gestutz habe. Und wenn ich schon an einer Haare-ab-Aktion war, fielen die auch an anderen Stellen.

Proust (252)

Kehrtwende! Marcel will sich jetzt doch nicht von Albertine trennen. Man geht – erschöpft – zu Bett. Und nach gut 400 Seiten findet dieser eine (!) Tage ein Ende (Beginn siehe Nr. 220). Reflexionen über (Nicht)Trennungen das Wesen von Drohungen. Am nächsten Morgen: Marcel erhält einen weiteren Brief seiner Mutter. Françoise ist nach wie vor Albertine in herzlicher Ablehnung zugeneigt. Eine Vorahnung.

Es war so spät geworden, daß ich gleich am Morgen Françoise nahelegte, recht leise zu gehen, wenn sie an Albertines Zimmer vorüberkam. Überzeugt, daß wir die Nacht mit dem verbracht hatten, was sie als Orgien zu bezeichnen pflegte, wies Françoise ironisch die anderen Bedienten an, »die Prinzessin nicht aufzuwecken«. Eines der Dinge, die ich fürchtete, war, daß Françoise eines Tages sich nicht mehr beherrschen, daß sie zu Albertine ausfallend werden und dadurch Komplikationen in unserem Dasein bewirken könnte. Françoise war damals nicht mehr (…) in dem Alter, ihre Eifersucht standhaft zu ertragen. (5.516)

# 568 – 570

Proust (251)

Weiteres ›peinliches‹ Verhör und weitere ›Geständnisse‹. Reflexionen über Trennung, die in diesem Fall für Marcel quasi eine Vortäuschung einer »Veränderung in unserer Liebeserfahrung« (5.504) ist. Diese »fiktive Szene einer Trennung« (5.506) macht Marcel so traurig und niedergeschlagen, als sei sie echt. Reflexionen dazu.

»Albertine, können Sie mir schwören, daß Sie mich niemals belogen haben?« Sie blickte starr ins Leere, dann antwortete sie mir: »Ja, das heißt nein. Ich tat nicht recht daran, Ihnen zu sagen, Andrée sei sehr von Bloch entzückt gewesen, wir hatten ihn gar nicht gesehen.« – »Was war dann der Zweck?« – »Weil ich fürchtete, Sie könnten von ihr etwas anderes glauben.« – »Ist das alles?« Sie starrte weiter vor sich hin und fuhr fort: »Ich habe auch nicht recht daran getan, Ihnen eine dreiwöchige Reise mit Léa zu verschweigen. Aber ich kannte Sie noch wenig.« – »War das vor Balbec?« – »Vor dem zweiten Mal, ja.« Und am Morgen noch hatte sie mir gesagt, sie kenne Léa nicht! Ich sah, wie ein Feuer schlagartig einen Roman vernichtete, an dem ich Tausende von Stunden geschrieben hatte. Wozu bloß? Wozu? Gewiß, ich begriff sehr wohl, daß Albertine mir diese Dinge nur enthüllte, weil sie dachte, ich hätte sie indirekt von Léa erfahren, und daß kein Grund bestand, weshalb es nicht noch hundert ähnliche geben sollte. Ich begriff auch, daß die Antworten Albertines auf eine solche Reihe von Fragen niemals auch nur eine Spur von Wahrheit enthielten, da sie sich diese jeweils nur unwillkürlich in Gestalt einer wahllosen Mischung entschlüpfen ließ, die sich in ihr aus bis dahin bewußt verheimlichten Tatsachen und dem Glauben ergab, man habe gleichwohl Kenntnis davon erhalten. »Aber zwei Dinge, das ist ja noch nichts«, sagte ich zu ihr, »wir wollen doch wenigstens vier zusammenbringen, damit ich eine Erinnerung an Sie zurückbehalte. Was können Sie mir sonst noch enthüllen?« (5.501f)

Wanted!

Kochblogs!

Hat jemand von Euch die ein oder andere Empfehlung? Ich suche gerade nach Inspirationen.

Vegan muss echt nicht, ansonsten alles was die europäische Küche so zu bieten hat. Nicht unbedingt die schnelle 10-Minuten-Küche, aber osturkainischer Wels an südwestfranzösischem Reis mit venedischem Balsamico (1. Pressung in der zweiten Oktoberwoche) muss auch nicht gerade sein.

Mein Dank jetzt schon!

Proust (250)

»Wenn ich [= Albertine] Sie anlüge, so geschieht es immer nur aus Liebe zu Ihnen« (5.482). Sie scheint ihn sehr zu lieben, denn er erfährt ein unbekanntes Geheimnis nach dem anderen. Fantastische (!) Engführung von Eifersucht um einen abgebrochenen Satz, der mit »… und könnte es mir hintenherum …« (5.483) endet. Dann: »›… haben wir als also beschlossen, daß wir uns heute abend trennen.‹ – ›Verzeihen Sie, Sie haben beschlossen und ich gehorche …‹« (5.489). Das macht Marcel »einzig in der Absicht, eine Versöhnung herbeizuführen« (5.492). (»Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe!« Nicht Proust sondern Wilhelm Busch – ausnahmsweise mal.)

Der Fall einer affektierten alten Frau wie Monsieur de Charlus, der, da er in seiner Phantasie immer nur einen schönen Jüngling vor sich sieht, selbst ein schöner junger Mann zu sein wähnt und immer stärker sein weibisches Wesen in seinem lächerlichen Bemühen um einen Anschein von Männlichkeit verrät, dieser Fall untersteht seinerseits einem größeren Gesetz, das nicht nur die Charlusse erfaßt, sondern so allgemeingültig ist, daß selbst die Liebe es noch nicht ganz und gar erschöpft; wir sehen an uns nicht den Körper, den die anderen sehen, und »folgen« unserer Vorstellung, dem Objekt, das uns vorschwebt, den anderen aber unsichtbar bleibt (nur manchmal sichtbar gemacht wird durch einen Künstler in einem Werk, woraus sich bei seinen Bewunderern so häufig Enttäuschungen ergeben, weil sie bei persönlicher Bekanntschaft mit dem Autor auf dessen Gesicht die innere Schönheit so unvollkommen widergespiegelt finden). (5.494)

Ein Gremium tagt …

neun Monate lang und gebiert etwas, was einer Maus nicht würdig ist.

ChefChef erklärt ausführlich und wortreich – so ist er halt – wie das Gremium seine Entscheidung anhand eines Kataloges erarbeitet, um denn die Gehaltsklasse und -stufe zu bestimmten. Er erklärt noch ausführlicher und noch wortreicher – aber so ist er halt – dass es Interpreationsspielräume gäbe. Ach nein, denke ich mir, und ich dachte, das gäbe es ausschließlich nur in der Literatur?

Dann kommt er endlich auf den für mich interessanten Punkt und will die neue Gehaltsklasse verkünden. Er setzt an … schaut auf die Tabelle … stockt … fragt meine aktuellen Gehaltsklasse nach … studiert die Tabelle … und versucht dann irgendwie die Peinlichkeit so gering wie möglich zu halten. Denn auch ihm ist ohne Diskussion klar – weder wortreich noch argumentenstark – dass eine Erhöhung meines Gehaltes um 98,21 Euro (brutto) defintiv nicht auch nur annäherend dem entspricht, was ich an Aufgaben dazu genommen habe.

Er will das nun mit dem Gremium …

Proust (249)

Brichot kaut Marcel auf der Rückfahrt in der Kutsche noch schnell ein Ohr ab. Vorfreude auf Albertine und auf Zärtlichkeiten. Stattdessen geraten sie in einen kleinen Disput, in dessen Verlauf Albertine unfreiwillig gesteht, letztens gar nicht drei Tage in Balbec gewesen zu sein. Nein, sie habe dem Chauffeur nur eine Freude machen wollen, der etwas zu erledigen hatte. Sie habe sich derweil drei Tage bei einer Freundin in Auteuil gelangweilt und sei nur ein einziges Mal – »als Mann verkleidet, aber mehr zum Spaß« (5.479) – draußen gewesen, wo ihr dann »jener Itzig, Ihr Freund Bloch« (ebd.) über den Weg gelaufen sei.

Sie [Albertine] war nämlich seit einiger Zeit überzeugt, daß ich sie auf die eine oder andere Weise beobachten ließ oder daß ich jedenfalls irgendwie – sie hatte erst in der vorausgehenden Woche dergleichen zu Andrée gesagt – über ihr eigenes Leben »besser Bescheid wisse als sie selbst«. So unterbrach sie mich jetzt durch ein völlig überflüssiges Geständnis, denn ganz gewiß hatte ich nichts von dem geargwöhnt, was sie mir jetzt sagte, und war nun meinerseits ganz bestürzt; so groß kann der Abstand zwischen der Wahrheit sein, die eine Lügnerin verbirgt, und der Vorstellung, die sich nach Maßgabe solcher Lügen derjenige, der die Lügnerin liebt, von dieser Wahrheit macht. (5.478)

Komischer Tag

  • Scheinbar habe ich heute Nacht meinen Wecker ausgeschaltet – mein Mann dazu: »Ich sag’s doch seit Jahren! Du schlafwandeltst! Jetzt glaub es doch endlich mal!!!« – jedenfalls verschlafe ich gehörig.
  • Kaum bin ich im Job wieder im Alltagsmodus schneit die Kollegin 1 freudestrahlend rein: Sie würde nun ein personalisiertes Notbook bekommen und könne nun problemlos ins HO! Ich berufe sofort eine Krisensitzung ein, denn das ist ja für Kollegin 1 ganz nett, aber für Kollegin 2 und mich bedeutet das, dass wir dann Präsenz zeigen müssen. NÖ, wir sind EIN Team und gleichberchtigt.
  • Kolleginnen 1 und 2 sind etwas ratlos ob meiner Heftikeit und können mich abhalten, ins Büro vom ChefChef zu stürmen, um dort lautstark, also nachdrücklich, nachzufragen, was diese Bevorzung zu bedeuten hat.
  • Nach einer Stunde stellt sich heraus: Wir alle bekommen ein personalisiertes Notebook fürs HO – also alles gut. Ich koche dennoch ohne Unterlaß und bekomme in der Therapie nen Hinweis, woran das liegen könne.
  • Endlich zu Hause genau 18 Minuten bis zur nächsten Onlinekonferenz mit Verein 1. Aber der neue zweite Bilschirm ist da! Ich komme zur Konferenz 15 Minuten zu spät (war aber auch angekündigt) – aber beide Bilschirme funktionieren! Danke E.!
  • Jetzt schraub‘ ich mir Wein rein – irgendwie muss ich mal langsam runter kommen.

GT (62)

Abschiedssitzung für S. Sie wird – mir – fehlen. Zu Beginn, wie sie heute sagte, fand sich mich aggressiv abweisend. Abweisend war ich sicher, aber aggressiv? Ich war sicher sehr angestrengt abweisend.

Dennoch zu Beginn eine gute halbe Stund gemeinsam gearbeitet, zwei Erkenntnisse für mich – will über die Ausbeute nicht meckern.

Ob ich nächste Woche hingehe, weiß ich noch nicht. Einerseits, will ich soviel wie möglich mitnehmen, andererseits habe ich Ausbildung, einerseits reicht es auch, andereseits habe ich J. lange nicht gesehen.

So eine Therapie hilft klarer zu werde – aber entscheidungsfreudiger?

Proust (247)

Der Baron immer noch in der »Pose der von panischen Schrecken gepackte Nymphe« (5.457) als die Königin von Neapel zurückkommt, weil sie ihren Fächer vergessen hat. Sie erkennt sofort die Lage und hält ohne Zweifel zum Baron. Der Versuch Madame de Verdurins, an Stelle des Barons Morel der Königin vorzustellen, scheitert. Die beiden verlassen gemeinsam das Haus – und nun endlich auch die drei Herren. In der Folge erkrankt der Baron an einer »infektiösen Lungenentzündung« (5.462) und schwebt »monatelang zwischen Tod und Leben« (ebd.). Die Verdurins überlegen im Anschluss an den ereignisreichen Abend, wie sie – ohne dass es jemand mitbekommt – Saniette unter die Arme greifen können.

Madame Verdurin machte vor der Königin eine Reverenz. Als sie sah, daß diese sie nicht zu erkennen schien, sagte sie: »Ich bin Madame Verdurin, Eure Majestät erkennen mich offenbar nicht.« – »Doch, doch«, sagte die Königin und setzte dabei so selbstverständlich ihre Unterhaltung mit Monsieur de Charlus fort, mit einer obendrein so vollendet zerstreuten Miene, daß Madame Verdurin sich fragte, ob dieses in wundervoll beiläufigem Ton ausgesprochene »Doch, doch« überhaupt an sie gerichtet war, was Monsieur de Charlus inmitten seines Liebeskummers ein in Sachen Impertinenz erfahrenes und feinschmeckerisches Dankeslächeln entlockte. (5.459f)

Perspektiven

Spaziergang mit A.

Auf der ersten Hälfte erzähle ich von der Mediation und die Aussichten, die sich vielleicht daraus ergeben.

Auf der zweiten Hälfte erzählt sie von ihrem Krebs und den Aussichten, die sich vielleicht daraus ergeben.

Proust (247)

Madame de Verdurin redet weiter auf Morel ein und hat ihn ganz auf ihrer Seite, als sie behauptet, der Baron würde insgeheim jedem erzählen, dass Morels Onkel ein »Domestik« (5.451) gewesen sei – was stimmt, aber Morel ja verheimlicht wissen will (vgl. Nr. 128, 189, 194). In diesem Augenblick kommen Marcel, Brichot und der Baron in den Salon. Letzterer geht voller Stolz und Freude auf Morel zu, der ihm aber vor allen Leuten verbietet, ihm näher zu kommen. Vom Donner gerührt und »unter völliger Lähmung all seiner Glieder und seiner Zunge« (5.454) ist der Baron unfähig, irgendwie zu reagieren. Später wird er vermuten, Morel hätte sich von ihm gelöst, weil er nun »arriviert« (5.456) sei. Wie wir sehen: Die drei Herren sind auch heute der Tür keinen Schritt nähergekommen.

In diesem Augenblick traten wir in den Salon. »Ah!« rief Monsieur de Charlus, als er sah, daß Morel da war, und ging auf den Musiker mit der Beschwingtheit eines Menschen zu, der umsichtig seinen ganzen Abend auf die Begegnung mit einer Frau ausgerichtet hat und nun in seinem Freudenrausch nicht ahnt, daß er selbst sich die Falle gestellt hat, wo ihn die von dem Ehemann hierzu bestellten Männer vor aller Welt ergreifen und verprügeln werden. (5.452f)

Ganz natürlich 9 Monate

Im April letzten Jahres habe ich einige Aufgaben mehr übernommen und daher auch einen gerechtfertigen Antrag – so der ChefChef – auf eine höhere Gruppierung gestellt. Jetzt am Donnerstag bekomme ich Bescheid, ob was daraus geworden ist. Gut Ding will Weile haben? Ich will’s echt mal hoffen!

Proust (246)

Der Baron vermisst die ›gute, alte Zeit‹, denn da »waren die Homosexuellen gute Familienväter und hielten sich eine Geliebte nur, um den Schein zu wahren« (5.438). Brichot kann sich für ihn einen »Lehrstuhl für Homosexualität« (5.440) bzw. »Psychophysiologie« (ebd.) gut vorstellen mit »dann zwei Hörer und dem Pedell« (ebd.). Weiteres zu wer alles schwul ist. Viele. Derweil nimmt sich zuerst Monsieur Verdurin Morel vor die Brust, dann seine Gattin, die viel erfundenen Dreck über den Baron ausschütten, um die beiden zu entzweien. Mit Erfolg, Morel schenkt ihnen Glauben. Die drei Herren sind der Tür wieder keinen Schritt nähergekommen.

Die Beharrlichkeit, mit der Monsieur de Charlus immer wieder zu seinem Thema zurückkehrte – für das sein stets in gleicher Richtung sich betätigender Geist einen gewissen Scharfblick besaß –, hatte etwas auf eine schwer entwirrbare Weise Peinliches; er war langweilig wie ein Gelehrter, der außerhalb seines Spezialfaches nichts kennt, ging einem auf die Nerven wie ein Eingeweihter, der sich auf die ihm anvertrauten Geheimnisse etwas zugute tut und darauf brennt, sie anderen zu verraten, war unsympathisch wie jemand, der, sobald es um seine eigenen Fehler geht, sich darüber verbreitet, ohne zu merken, daß er Mißfallen damit erregt, versklavt wie ein Süchtiger und hemmungslos unvorsichtig wie mancher Kriminelle. (5.436f)

Muss das?

Heute habe ich es dann doch weggeräumt, als N. kam und wir an unserer Homepage bastelten. Als Mutter von drei Jungs dürfte sie aber wohl Kenntnisse haben. Was verbiege ich mich, weil ich mir den Kopf für andere zerbreche?

Immer noch!

Gestern hat mir so ein verficktes 7-Minuten-Video (das ich für meinen Mann zurechtschneiden und mit Ton versehen sollte) echt die letzten Nerven geraubt und ich habe mich dann den ganzen Abend darüber erschrocken darüber geärgert, dass mich so eine Lapalie an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt.

Wird man im Alter nicht gelassener? Oder was mach ich da falsch?

Proust (245)

Die drei Herren – Brichot, Baron Charlus, Marcel – ergehen sich in einem überraschend offenen Gespräch über Homosexuelle, wobei der Baron als Experte auftritt: »Im übrigen jedoch liegt der Durchschnitt der Heiligen, soweit Sie Heiligkeit darin sehen wollen, im allgemeinen bei dreißig, höchstens vierzig Prozent« (5.435). Selbst Swann, so deutet der Baron an, habe sich nicht nur von Odette betrügen lassen, sondern »… nun, Sie werden mich nicht dazu bringen, Dummheiten zu erzählen« (5.430). Die drei Herren sind der Tür keinen Schritt nähergekommen.

»Ich arbeite nicht für die Geschichte«, antwortete Monsieur de Charlus, »das Leben genügt mir, es ist durchaus interessant genug, wie der arme Swann immer zu sagen pflegte.« (5.427)

Proust (244)

Über die gute freundschaftliche Beziehung zwischen dem Baron und Brichot – den sonst kaum einer aushalten kann. Während Marcel über ›Eigenliebe‹ sinniert, hält der Baron in seinen Augen bedeutende Reden an das (nichtvorhandene) Volk. Marcel sorgt dafür, dass er informiert wird, wenn Mademoiselle Vinteuil mit ihrer Freundin nach Paris kommt. So langsam sind erste Tendenzen auszumachen, dass es heimwärts gehen könnte (aber da bleib ich mal lieber im Konjunktiv, der Band hat ja noch 200 Seiten).

»Aber nein, nicht so, zeigen Sie her, lassen Sie mich das machen«, und während er [Baron Charlus] mir seinen Paletot umlegte, drückte er ihn mir an den Schultern fest, zupfte ihn am Hals hoch, schlug den Kragen nach oben und streifte unter Entschuldigungen dabei an mein Kinn. »In seinem Alter weiß er noch nicht, wie er sich zudecken sollte, ich muß ihn förmlich wickeln; ich habe meinen Beruf verfehlt, Brichot, ich wäre die geborene Kinderfrau.«

Da bin ich nicht der einzige!

Fortbildungswoche (also 50 Stunden) wurde gerade von Präsenz nach Online verlegt.

Ist es schwer, einen zweiten Bildschirm an seinen Rechner anzuschließen und dann unterschiedliches sehen zu können? Ich meine, in der Arbeit habe ich sowas, aber da war auch die IT am Werk.

Mann muss sich das mal vorstellen

Seine [Graf Montesquiou] erste amouröse Begegnung hatte er mit einer Bauchrednerin, die, während sich Montesquiou auf dem langen Weg zum Glück mühte, plötzlich ihre Stimme so verstellte, dass es sich anhörte, als sei gerade ein betrunkener Zuhälter hereingekommen und bedrohe ihren aristokratischen Kunden.

Julian Barnes: Der Mann im Roten Rock. Köln 2021

Proust (243)

Madame de Verdurin schreitet gleich zur Tat! Sie bittet Brichot den Baron mit einer Zigarette abzulenken, damit ihr Mann Morel ins Gebet nehmen kann. Brichot glaubt zwar den »üble(n) Geschichten« (5.399), die sie über den Baron erfindet, nicht, lenkt ihn aber – trotz Gewissenbisse – ab. Marcel hat das alles mitbekommen und wird von Brichot mit in die Pflicht genommen. Der Baron, nichts ahnend, macht eins auf dicke Hose und erhebt das Geigenspiel seiner »Dulcinea« (5.399) in Richtung des Göttlichen.

»Die moralische Pflicht«, sagte er [Brichot], »ist nicht der kategorische Imperativ, den unsere Ethiker uns lehren. Was man auch darüber in theosophischen Cafés und kantianischen Brasserien befinden mag, wir leben in bedauerlicher Unkenntnis über das Wesen des Guten. Ich selbst, der ich, ohne mich rühmen zu wollen, vor meinen Hörern in aller Unschuld die Philosophie des besagten Immanuel Kant kommentiert habe, finde dazu, wie ich mich in diesem meinem besonderen Fall der Gesellschaftskasuistik verhalten soll, keinen deutlichen Hinweis in der gesamten Kritik der praktischen Vernunft, in der dieser große Abtrünnige des Protestantismus auf Germaniens Art für ein prähistorisches, empfindsames Deutschland der kleinen Höfe zu welchem Ziel und Zweck auch immer den guten alten Plato mit Mystizismus aus Pommerland verbrämte. Wahrhaftig: eine Neuauflage des Gastmahls, aber diesmal serviert in Königsberg, nach dortiger Art, unverdaulich und hygienisch, mit Sauerkraut und ohne Gigolos.« (5.402f)

Altersvorsitz

Bei den Intervisionen zur Mediationsauslbildung schält sich heraus: Immer dann, wenn wir uns online getroffen und einen Fall durchgespielt haben, bin ich es, der die anschließende Auswertung moderiert.

Nicht, das ich das nicht gerne mache.

Proust (242)

Mit »Nun, sind sie zufrieden?« (5.390) setzt der Baron gegenüber der Gastgeberin Madame de Verdurin zu einer nur wenig versteckten Lobhudelei über seine Leistungen – das Aufstellen der Gästeliste – an, die ›standesgemäß‹ für ihn mit einem »Jedenfalls … scheint mir, daß Sie mir danken können, denn so wie alles sich abgespielt hat, war es wirklich vollkommen« (5.395) endet. Das entfesselt in ihr jedoch »Haßgefühle« (5.396) so dass sie sich entschließt, einen Keil zwischen den Baron und seinen Liebhaber Morel zu treiben.

Wie Palamède [= Baron de Charlus] doch alles und jedes zu arrangieren versteht! Er könnte ein Märchenspiel in einem Wagenschuppen oder in einer Toilette inszenieren, es würde immer noch etwas Bezauberndes daraus. (5.389)

Proust (241)

Der Baron hat die Gäste so ausgewählt, dass er a) Morell besser in Szene setzen kann und b) der Komponist endlich auf kurzem Wege sein Denkmal bekommt. Saniette wagt Kritik am Geigenspiel Morels und wird lautstark des Hauses verwiesen, woraufhin er im Hof »vom Schlag getroffen« (5.378) zusammenbricht und wenige Wochen später stirbt. Die Gäste verabschieden sich vom Baron – nicht aber von den Gastgebern. Wie immer kleine Ränkeschmiedereien.

Jedesmal wenn sich ein Ereignis vollzieht, das dem vulgären Geist der philosophisch angehauchten Journalisten zugänglich ist, das heißt gemeinhin ein politisches Ereignis, so sind sie überzeugt, daß sich in Frankreich etwas gewandelt hat, daß man gewisse Abendveranstaltungen nicht mehr wiederfinden und Ibsen, Renan, Dostojewski, d’Annunzio, Tolstoj, Wagner oder Strauß nicht mehr bewundern wird. (5.376)

Streber, oder?

Gerade noch, also 21:45 Uhr, dem ChefChef ne Mail geschrieben, dass ich die HP wg. Corona aktualisiert habe. Begründung: Habe morgen Urlaub. Also: Vorauseilender Gehorsam. Bzw. Taktik: Denn ab übermorgen möchte ich echt ein paar Tage mehr HomeOffice haben, den so, wie wir das handhaben, ist es ein Witz.

Happy Birthday, my great, great love!

Proust (240)

Reflexionen über »Und ich konnte nicht umhin, mich zum Vergleich daran zu erinnern, daß ich mir die anderen Welten, die Vinteuils möglicherweise erschaffen hat, in gleicher Weise als geschlossene Universen vorstellte, wie jedes einzelne meiner Liebeserlebnisse es jeweils gewesen war« (5. 358). Über die Wirkung von Musik. Über das Künstlertums Vinteuils. Über die Gemeinsamkeiten von Musik und Malerei. Über ignorante Zuhörende. Über Musik, die »die Verständigung der Seelen hätte sein können« (5.367). Über die Tochter des Komponisten und ihre Freundin. Wie nannte das Keller gestern: »Höhepunkt von Prousts Schaffen« (5.648).

Die Freude, die ihm [dem Komponisten Vinteuil] solche Klangfolgen bereitet hatten, die Kräfte, die ihm immer weiter zugewachsen waren, damit er andere, neue finden konnte, führten auch jetzt noch den Zuhörer von einer Entdeckung zur nächsten, oder vielmehr war es der Komponist selbst, der ihn führte, indem er aus den Farben, die er gefunden hatte, eine überströmende Freude schöpfte, die ihm die Macht verlieh, andere, die sie herbeizurufen schienen, zu entdecken und leidenschaftlich aufzugreifen, hingerissen und selig durchbebt, wie vom göttlichen Funken getroffen, wenn das Erhabene von selbst entstand aus dem Zusammenklang der Blasinstrumente, keuchend, berauscht, vom Wahn, von Schwindel erfaßt, während er sein großes musikalisches Fresko schuf, gleich einem Michelangelo, der, an seine Leiter gefesselt, mit dem Kopf nach unten, einander überstürzende Pinselstriche an der Decke der Sixtina führt. (5.361f)

Home Office im Verdacht, dass es einen blöd macht!

Ich sollte mir vielleicht mal für morgen früh merken, dass Benutzername nicht gleich dem Passwort ist und daher in ein anderes Feld eingetippt werden muss.

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