Proust (222)

von Bert

Nach wie vor will Marcel Albertine davon habhalten am nächsten Tag zu Madame Verdurin zu gehen. Später wird er deswegen auch Andrée anrufen. Bis es aber soweit ist, ergeht er sich in ausführlichen Erläuterungen über die Flüchtigkeit von Liebesbeziehungen und theoretisiert über ›geflüchtete‹ wie ›gefangene‹ Frauen – beide Arten kann man entweder dauerhaft lieben oder / und halten. (Zudem gib er hier das Programm für diesen und den nächsten Band vor.) Marcel ist nicht nur eifersüchtig, er ist zudem argwöhnisch bis zum Gehtnichtmehr. Françoise ist Albertine nach wie vor in aller Herzlichkeit komplett abgeneigt.

Gewiß war meine Liebe zu Albertine nicht die unergiebigste von allen, zu denen man aus Mangel an Willensstärke herabsinken kann, denn völlig platonisch war sie nicht; sie verschaffte mir Befriedigung meiner Sinne, und außerdem war Albertine gescheit. Aber all das war eigentlich überflüssig. Was meinen Geist beschäftigte, war nicht, was sie etwa Gescheites äußerte, sondern irgendein Wort, das bei mir einen Zweifel an ihren Handlungen weckte. (5.130f)