Proust (224)

von Bert

Zwar bekommt Marcel von Albertine noch einen Gute-Nacht-Kuss, aber der lässt ihn so angstvoll zurück, wie früher als Kind (vgl. Nr. 3 – 5). Über die tiefschlafende Albertine. Am Morgen danach: Marcel liegt im Bett und lauscht den Geräuschen auf der Straße – knapp sieben Seiten lang, ein ›literarisches Hörstück‹ sozusagen. Albertine lässt durch Françoise ausrichten, dass sie nicht zu den Verdurins geht sondern, wie er vorgeschlagen hat, eine Galavorstellung besuche »nach einem kleinen Ausritt, den sie zusammen mit Andrée unternehmen wolle« (5.165).

Das Gehör, dieser köstliche Sinn, macht die Straße, die es mit ihren feinsten Linien nachzuzeichnen vermag, für uns unmittelbar gegenwärtig; es skizziert uns alle vorüberziehenden Formen und zeigt uns deren Farbe. Die eisernen Rolläden des Bäckers oder des Milchmanns, die sich gestern abend über alle Möglichkeiten von Frauenglück gesenkt hatten, hoben sich jetzt mit dem Geräusch der leichtdrehenden Kettenwinden eines Schiffs, das sich zum Auslaufen rüstet und auf dem kristallklaren Meer dahingleiten wird, über einem Traum von jungen Ladenmädchen. (5.160f)