Proust (225)

von Bert

Weiter geht es mit dem ›literarischen Hörstück‹, diesmal ist aber Albertine mit dabei. Die beiden berauschen sich, denn »alle diese Rufe, die wir hören, verwandelt [sich] in ein gutes Essen« (5.178). Fazit Albertine: »Gut, ich gehe, aber künftig will ich zu Tisch nur Ausgerufenes Essen« (ebed). Sie ergeht sich zudem in eine überbordende Hymne über das Speiseeis. Davor eingeschaltet ein »Einschub zu den Themen Schlaf, Traum, Erinnerung, Vergessen, Narkotika, Rausch usw. ein Themenkomplex, dem Proust in jedem der vorangegangenen Bänder der Recherche eine Betrachtung … gewidmet hat« (Keller, 5.625f).

Was ich an diesen ausgerufenen Viktualien liebe, ist, daß eine Sache, die man hört wie eine Rhapsodie, ihre Natur verändert, wenn sie auf den Tisch kommt und zu meinem Gaumen spricht. Beim Eis (denn ich hoffe, Sie werden nur solches in den altmodischen Formen bestellen, die alle nur möglichen architektonischen Motive wiederholen) geht es mir jedesmal so, daß Tempel, Kirchen, Obelisken, Felsen für mich zunächst wie ein Museum aller malerischen Stätten der Welt etwas zum Ansehen sind und daß ich dann erst die Bauwerke aus Himbeer- und Vanilleeis in etwas Kühles umdenke, das durch meine Kehle gleitet (…) Mein Gott, im Hotel Ritz werden Sie wohl allerdings, fürchte ich, Vendômesäulen aus Schokolade- oder Himbeereis finden, da würden wir dann freilich mehrere brauchen, damit es aussieht wie Votivgeschenke oder Pilaster in einer Ruhmesallee zu Ehren einer Göttin der Kühlung. Sie machen auch Himbeerobelisken, die von Zeit zu Zeit in der glühenden Wüste meines Durstes aufragen; ich lasse dann ihren rosigen Granit erst schmelzen, wenn sie schon tief in meine Kehle hinuntergeglitten sind und mir größere Labung verschaffen als die schönsten Oasen.« (5.180)