Proust (226)

von Bert

Der Chauffeur, der Albetine immer ausfährt, wird nun peinlich befragt, ob sie nicht vielleicht doch … aber er weiß von keinem Skandal zu berichen. Dennoch, doppelt genäht hält besser, er lässt Albertine »nur noch mit Andrée als Verstärkung der Überwachung ausfahren« (5.189) und ist froh dass er die Last los ist. Erinnerungen an Gilberte … hat sie ihn vielleicht auch betrogen? Marcel nimmt nun den Leser mit auf die Straße bzw. in die Geschäfte, statt ›literarischem Hörstück‹ nun ›literarisches Sehstück‹.

In einer Metzgerei verwandte zwischen einer Sonnenaureole zur Linken und einem aufgehängten ganzen Ochsen zur Rechten ein blonder, sehr großer und schlanker Fleischergeselle, dessen Hals aus einem himmelblauen Hemd hervorsah, schwindelerregende Fixigkeit und religiöse Gewissenhaftigkeit daran, nach der einen Seite bestes Rinderfilet und nach der anderen minderwertiges Schwanzfleisch auszusortieren und beiden in blitzende Waagschalen zu werfen, über denen ein Kreuz schwebte, vom dem schöne Kettchen herniederhingen, so daß er – obwohl der danach nur Nieren, Tournedos und Entrecotes zur Anordung in der Auslage herrichtete – in Wahrheit viel ehr den Eindruck eines schönen Engels erweckte, der am Tag des Jüngesten Gerichts für Gottvater die Scheidung der Guten und Bösen je nach Qualität und das Abwiegen der Seelen vorbeteitet. (5.192)