Proust (229)

von Bert

Marcel wartet auf Albertine und setzt sich ans Klavier. Zuerst Reflexionen zu Richard Wagner, dann zu den »großen Schöpfungen des neunzehnten Jahrhunderts« (5.224). Von hier aus einen Gedankensprung zu Morel – und eine Wiederholung einer Szene, woran man merkt, dass Proust über den Endkorrekturen gestorben ist – der unten im Hof seine Braut auf das Übelste beschimpft: »Sie elende Schlampe … Sie Hure, Sie« (5.230). Albertine kommt, man fährt aus, sie zeigt ihm einen neuen Ring, den sie sich gekauft hat. Und ohne das Proust es schreibt muss, jeder fragt sich: Sie sich wirklich?

Durch ihren Kontrast mit dem Zustand der Angst, in dem ich mich vor einer Stunde noch befunden hatte, war die Ruhe, in die mich die Rückkehr Albertines versetzte, viel umfassender als diejenige, die ich am Morgen vor ihrem Aufbruch in mir verspürt hatte. Auf die Zukunft vorgreifend, über die ich dank der Gefügigkeit meiner Freundin mehr oder weniger Herr war, widerstandsfähiger, von der unmittelbar bevorstehenden, lästigen, unvermeidlichen und wohltuenden Anwesenheit Albertines gleichsam erfüllt und gestärkt, war es eine Ruhe, wie sie (indem sie uns der Notwendigkeit enthebt, das Glück in uns selbst zu suchen) aus einem familiären Gefühl und häuslichem Glück erwächst.(5.231)