Proust (230)

von Bert

Während der Ausfahrt, u.a. in den Bois, unterhält man sich (auch) über Kunst. Das Marcel ambivalent ist, ist nichts neues. So sinniert er einerseits über die Midinetten (hier im Sinne von jungen, begehrenswerten Mädchen) die sehen und wie sehr Albertine ihn daran hindert, sich mit ihnen abzugeben. Andererseits ist er ganz stolz, dass Albertine ihm ihre Zeit schenkt. Reflexionen über das Beziehung-haben und -nicht-haben, über ›Besitz‹ und Flüchtigkeit. Passt, denn Marcel ist »an dem Punkt angelangt, wo … eine Frau für uns nur noch den Übergang zu einer anderen bildet« (5.237). Was für Albetine gilt, muss ja noch lange nicht für ihn gelten, denn » ich [hatte] beschlossen, am gleichen Abend zu den Verdurins zu gehen« (5.236f).

Diese Ähnlichkeiten aber zwischen dem physischen Verlangen [nach einer Frau] und dem Reisen bewirkten, daß ich mir vornahm, eines Tages die Natur jener Kraft etwas genauer zu studieren, die unsichtbar, aber ebenso machtvoll war wie die inneren Überzeugungen oder, in der physikalischen Welt, der Luftdruck, jener Kraft, die Städte und Frauen, solange ich sie nicht kannte, unermeßlich hoch erhob, aber unter ihnen schwand, sobald ich ihnen näher gekommen war, und sie in banalste Alltäglichkeit hinuntersinken ließ. (5.241)