Proust (231)

von Bert

Marcel trifft Gisèle, eine Freundin von Albertine – auch die nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau. Über die Lüge. Trennungsabsichten: »Es ist furchtbar, wenn man die Existenz einer anderen Person an sich geheftet sieht, wie eine Bombe, die man festhalten muß und nicht fallen lassen darf, ohne ein Verbrechen zu begehen.« (5-354) Der Tod des Schriftstellers Bergotte.

Der Fall einer manierierten alten Frau wie Monsieur de Charlus, der in seiner Vorstellung immer nur einen stolzen Jüngling sieht und deshalb glaubt, selbst zu einem stolzen Jüngling zu werden, und zwar um so mehr, je manierierter und lächerlicher er wird, dieser Fall läßt sich verallgemeinern, und das Mißgeschick eines entflammten Liebhabers besteht darin, daß er sich nicht darüber klar ist, daß er zwar ein schönes Gesicht vor sich sieht, seine Geliebte aber nur sein Gesicht vor sich hat, das nicht schöner, sondern ganz im Gegenteil von der Lust entstellt wird, die der Anblick der Schönheit in ihm erregt. (5.255)