Proust (232)

von Bert

Komisch, die Zeitungen berichten vom Tod des Schriftsteller Bergotte an dem Tag, an dem Albertine ihn auf der Straße traf und mit ihm plauderte. Über: »Der Irrtum ist aber hartnäckiger als der Glaube« (5.266) und »Sie [die Lügen] schufen meine Wahrnehmung« (5.269).

Um auf Albertine zurückzukommen, so habe ich niemals eine Frau gekannt, die mehr als sie die glückliche Befähigung zu einer lebendigen, mit allen Farben der Wirklichkeit getönten Lüge besaß, es sei denn eine ihrer Freundinnen […]. Dieses junge Mädchen war, was erfundene Geschichten betraf, Albertine überlegen, denn die seinen waren nicht mit jenen schmerzlichen Momenten oder wuterfüllten Andeutungen vermischt, die bei meiner Freundin häufig vorkamen. Ich habe gleichwohl gesagt, daß sie reizend war, wenn sie eine Erzählung erfand, die keinen Zweifel zuließ, denn man sah dann die – gleichwohl rein imaginäre – Sache vor sich, die sie sagte, wobei man sich zum Sehen ihrer Worte bediente. Sie schufen meine Wahrnehmung. (5268f)