Proust (239)

von Bert

Zeit für den musikalischen Teil der Soiree und es ist selbstverständlich der Baron, der für Ruhe sorgt, spielt ja sein Morel mit. Zu Gehör kommt »ein unveröffentlichtes Werk Vinteuils, in dem … für einen Augenblick das kleine Thema nochmals aufkling(t)« (5.354) (siehe auch Nr. 22, 23, 25, 36). Marcels Eindrücke, die, so der Übersetzter Lucius Keller, »den Höhepunkt von Prousts Schaffen« (5.648) darstellt.

Madame Verdurin nahm ihren Platz etwas abseits ein, die Hemisphären ihrer weißen, mit einem rosigen Schimmer überhauchten Stirn großartig gewölbt, das Haar aus der Stirn gestrichen, halb in Nachahmung eines Porträts aus dem achtzehnten Jahrhundert, halb aus dem Kühlungsbedürfnis einer Fiebernden heraus, die ihren Zustand einzugestehen scheut; sie saß ganz allein wie eine Gottheit da, die musikalischen Feierlichkeiten vorsteht, eine Muse des Wagner-Kults und der Migräne zugleich, eine Art von nahezu tragischer Norne [Schicksalsgöttin in der nordischen Mythologie] , die ein Geist inmitten dieser Gleichgültigen heraufbeschworen hatte, vor denen sie mehr noch als sonst verschmähen würde, ihre Eindrücke beim Anhören einer Musik preiszugeben, die ihr besser bekannt war als allen Anwesenden. (5.353)