Proust (249)

von Bert

Brichot kaut Marcel auf der Rückfahrt in der Kutsche noch schnell ein Ohr ab. Vorfreude auf Albertine und auf Zärtlichkeiten. Stattdessen geraten sie in einen kleinen Disput, in dessen Verlauf Albertine unfreiwillig gesteht, letztens gar nicht drei Tage in Balbec gewesen zu sein. Nein, sie habe dem Chauffeur nur eine Freude machen wollen, der etwas zu erledigen hatte. Sie habe sich derweil drei Tage bei einer Freundin in Auteuil gelangweilt und sei nur ein einziges Mal – »als Mann verkleidet, aber mehr zum Spaß« (5.479) – draußen gewesen, wo ihr dann »jener Itzig, Ihr Freund Bloch« (ebd.) über den Weg gelaufen sei.

Sie [Albertine] war nämlich seit einiger Zeit überzeugt, daß ich sie auf die eine oder andere Weise beobachten ließ oder daß ich jedenfalls irgendwie – sie hatte erst in der vorausgehenden Woche dergleichen zu Andrée gesagt – über ihr eigenes Leben »besser Bescheid wisse als sie selbst«. So unterbrach sie mich jetzt durch ein völlig überflüssiges Geständnis, denn ganz gewiß hatte ich nichts von dem geargwöhnt, was sie mir jetzt sagte, und war nun meinerseits ganz bestürzt; so groß kann der Abstand zwischen der Wahrheit sein, die eine Lügnerin verbirgt, und der Vorstellung, die sich nach Maßgabe solcher Lügen derjenige, der die Lügnerin liebt, von dieser Wahrheit macht. (5.478)