Proust (253)

von Bert

Alltag kehrt wieder ein. Sie sprechen von »Dingen, die ich ihr weiterhin schenkte, um ihr nach Möglichkeit das Leben angenehmer und ihre Gefangenschaft schöner zu gestalten« (5.527), also meist von Klamotten, Schmuck, Silber und einer Jacht (die aber nur angedacht). Über Marcels Vergnügen, Dinge mit dem Verstand zu durchdringen. Über die »Fragen nach der Wirklichkeit der Kunst« (5.535), hier vor allem der der Musik (insbesondere der von Vinteuil).

Ebenso wie diese Tasse Tee [vgl. Nr. 6] führten zahllose Lichteindrücke, helle Klänge, rauschende Farben, die Vinteuil aus der Welt hervorschickte, in der er seine Kompositionen schuf, meiner Einbildungskraft ungemein nachdrücklich, doch zu schnell, als daß sie es hätte festhalten können, etwas vor, was ich mit der balsamisch durchdufteten Seide eines Geraniums vergleichen konnte. Allerdings kann bei der Erinnerung diese unbestimmte Empfindung zwar nicht unbedingt vertieft, doch immerhin präzisiert werden, indem man nämlich den Umständen nachgeht, die erklären, weshalb ein bestimmter Geschmack uns lichtvolle Empfindungen ins Gedächtnis rufen konnte; bei den unbestimmten Empfindungen aber, wie Vinteuil sie vermittelte, die nicht von einer Erinnerung, sondern von einem Eindruck herrührten (dem beispielsweise vor den Kirchtürmen von Martinville [vgl. Nr. 20 und 76]) , hätte man für den Geranienduft seiner Musik nicht eine materielle Erklärung, sondern die tiefe Entsprechung, das unbekannte, farbenreiche Fest auffinden müssen (von dem seine Werke losgelöste Fragmente, Splitter mit scharlachrot aufleuchtenden Kanten zu sein schienen), das heißt die Art und Weise, auf die er das Universum »hörte« und aus sich herausprojizierte. (5.537)