Proust (260)

von Bert

Robert Saint-Loup ist zufällig in Paris und kommt sofort zu Marcel. Der bittet ihn, auf die Adoptivmutter von Albertine, Madame Bontemps, den »brutalsten Druck« (6.32) auszuüben, damit Albertine schnell wieder zurückkommt. Dafür stellt er eine Summe von 30.000 Francs, umgerechnet ca. 70.000 Euro, als Bestechungsgeld zur Verfügung. Er zögert, dann zeigt er Robert doch ein Bild von Albertine. Der reagiert etwas eigenartig: »Sein Gesicht drückte eine Bestürzung aus, die fast töricht wirkte« (6.35).

Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Frau, die dem Liebenden Leiden bereitet, stets lieb und umgänglich mit jemandem gewesen ist, der sich nichts aus ihr macht, so wie Odette, die sich gegen Swann so grausam zeigte, für meinen Großonkel Adolphe die immer entgegenkommende »Dame in Rosa« gewesen war, oder daß das Wesen, dessen Entscheidungen stets von dem Liebenden so ängstlich wie die einer Gottheit vorausberechnet werden, demjenigen, der es nicht liebt, als ganz bedeutungslose Person erscheint, die sich nur allzu glücklich schätzt zu tun, was man von ihr will, so wie es die Geliebte von Saint-Loup für mich gewesen war, der ich in ihr nur jene »Rachel quand du Seigneur« sah, die man mir so oft angeboten hatte. (6.38)