Proust (263)

von Bert

Françoise findet in Albertines Zimmer beim Aufräumen zwei gleiche Ringe, die sie Marcel bringt. Er gerät darüber völlig aus dem Häuschen – warum, will uns der Autor diesmal nicht verraten oder erklären – verbirgt es aber vor der Haushälterin. Weiteres Hoffen, dass sie zurückkommt, weiteres Hoffen, dass sie nichts (mehr) mit Frauen hat. Da bringt Françoise, die keinen Hehl über ihre Freude macht, dass Albertine weg ist, einen zweiten Brief der Flüchtigen: »Ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung für die Abbestellung des Rolls.« (6.80)

Ebenso wie im ganzen Lauf unseres Lebens unser Egoismus dauernd die für unser Ich wertvollen Ziele vor sich sieht, aber niemals dieses Ich selbst betrachtet, das seinerseits den Blick von jenen nicht läßt, so senkt sich das Verlangen, das unsere Handlungen lenkt, zwar zu diesen herab, steigt aber niemals zu sich selbst empor, entweder weil es, allzu utilitaristisch gesinnt, sich mit Eifer in das Handeln stürzt und die Erkenntnis verschmäht, oder weil es nach der Zukunft trachtet, um den Enttäuschungen der Gegenwart abzuhelfen, oder weil es aus Trägheit auf dem bequemen Hang der Einbildungskraft hinabgleitet, anstatt den schroffen Aufstieg der Introspektion zu wagen. (6.77f)