Proust (265)

von Bert

Im später datierten Brief fragte Albertine an, ob sie zurückkommen könne. Trauer Marcels, der von allem an Albertine erinnert wird. Wie damit umgehen? Françoise »war gewiß glücklich über Albertines Tod« und heuchelt »aus einer Art von Schicklichkeitsgefühl und Takt keine Trauer« (6.98) »Doch ihr Combrayer Sittenkodex erlaubte ihr nicht, Tränen und Kummer leichtzunehmen« (6.99), so versucht sie Marcel zu trösten, der sein »nunmehr vernarbtes Herz … von der toten Albertine loszulösen« (6.107) versucht.

Die große Schwäche, die es für ein Wesen bedeutet, aus einer bloßen Sammlung von Momentaufnahmen zu bestehen, ist auch eine große Stärke; es ist abhängig vom Gedächtnis, das Gedächtnis eines Augenblicks aber hat nicht von allem Kunde, was seither geschehen ist; der Augenblick, den das Gedächtnis registriert hat, lebt weiter, dauert noch immer an, damit jedoch auch das Wesen, das sich darin abgezeichnet hat. Diese Bruchstücke aber erwecken die Tote nicht nur wieder zum Leben, sondern vervielfältigen sie sogar. Um mich zu trösten, hätte ich nicht eine, sondern unzählige Albertines vergessen müssen. (6.95)