Proust (269)

von Bert

Die Badefrau, so berichtet Aimé in seinem Brief aus Balbec, hätte mehrfach gesehen wie Albertine mit anderen Damen und Mädchen sich für länger in Duschkabinen eingeschlossen hätte, um »dort nicht den Rosenkranz« zu beten, »sonst hätten sie mir ja wohl keine zehn Francs [Trinkgeld] gegeben« (6.149). Marcel verzehrt sich »zwischen dem Wunsch zu wissen und der Furcht zu leiden« (6.157) und erwägt, der Badefrau eine »Lügenkrankheit« (6.156) zu attestieren. Balbec wird niemals mehr das Balbec für Marcel sein. Er schickt Aimé für weitere Erkundigungen nach Nizza.

Doch aus der Sicht Albertines, soweit ich es nach mir selbst beurteilen konnte, waren wohl ihre Verfehlungen, wie sehr sie auch gewillt gewesen sein mochte, sie vor mir zu verbergen – was mich vermuten ließ, sie halte sich für schuldig oder fürchte, mir Kummer zu bereiten –, jene Verfehlungen, die sie ganz nach eigenem Ermessen vorbereitet hatte, im hellen Licht der Einbildungskraft, wo das Verlangen sich artikuliert, gleichwohl Dinge von der gleichen Art wie alles andere im Leben: für sie Freuden, die sich zu versagen sie nicht die Kraft gehabt hatte, für mich Leiden, die mir zu ersparen sie versucht hatte, indem sie sie mir verheimlichte, Freuden und Leiden jedoch, die ihren Platz inmitten der übrigen Freuden und Leiden des Lebens finden konnten. (6.152)