Proust (270)

von Bert

Aimé macht eine Wäscherin ausfindig, die ›etwas‹ mit Albertine ›hatte‹. Er ist gleich so gründlich und überprüft deren Angaben in natura und kommt zu dem Schluss: »Ich verstehe auch gut, daß Mademoiselle Albertine Gefallen an der Sache gefunden hat, denn diese Kleine [die Wäscherin] ist wirklich sehr geschickt« (6.163). Marcel Erkenntnis, dass Albertine vielleicht doch eine andere Person war und das, was er im Herzen trug »nur ein ganz kleiner Teil von ihr war« (6.165). Sie ist für ihn »eine weit größere Verräterin denn eine Spionin« (6.166). Er suhlt sich in den Vorstellungen, was Albertine mit der Wäscherin wohl gemacht haben mag – und wie.

Die Erinnerungen der Liebe bilden nämlich keine Ausnahme von den allgemeinen Gesetzen des Gedächtnisses, das seinerseits denen der Gewohnheit unterliegt. Da diese alles abschwächt, erinnert uns gerade das am stärksten an einen Menschen, was wir vergessen hatten, weil es unbedeutend war, und dem wir dadurch seine ganze Kraft belassen haben. Daher lebt der beste Teil unseres Gedächtnisses außerhalb von uns: in dem feuchten Hauch eines Regentages, dem Geruch eines ungelüfteten Raums oder demjenigen eines eben entzündeten, aufflammenden Feuers, überall da, wo wir von uns selbst das wiederfinden, was unser Verstand verschmäht hatte: die letzte, die beste Reserve der Vergangenheit, die, wenn alle anderen versiegt sind, uns noch Tränen entlocken kann. (6.172)