Proust (271)

von Bert

Marcel lernt – etwas – mit der Trauer zu leben. Er staunt jetzt nicht mehr »wie in den ersten Tagen über die Tatsache …, daß eine in mir so lebendige Albertine auf der Erde nicht mehr existieren sollte … sondern darüber, daß Albertine … die tot war, im mir so lebendigt blieb« (6.177). Reflexionen über das Erinnern, deren ›Wahrheitsgehalt‹ und die Frage, »ob die Trauer um eine Frau nur ein Wiederaufleben der Liebe ist« (6.182)

Ich denke mir auch, daß jener Mann, selbst wenn er heute geheilt und wieder zur Vernunft gekommen ist, möglicherweise etwas besser als die anderen versteht, was er in einer freilich vergangenen Epoche seines mentalen Daseins damit meinte, als er den Besuchern eines Irrenhauses erklären wollte, er selbst sei trotz allem, was der Arzt behaupte, nicht geistesgestört, und zu diesem Zweck seiner eigenen gesunden Geistesverfassung die tollen Chimären der einzelnen Kranken gegenüberstellte, wobei er mit den Worten schloß: »So glaubt der da, der genau wie alle anderen aussieht – Sie würden ihn gar nicht für verrückt halten –, er sei Christus, und dabei kann das doch gar nicht sein, denn Christus bin ja ich!« (6.185f)