Proust (275)

von Bert

Die Mutter bringt Marcel die Post ans Bett. In einer Zeitung entdeckt er einen Artikel von sich – aber anstatt sich zu freuen, ist er unsicher, wie der Artikel kommen mag. Er versucht ihn mit den Augen eines Lesers zu lesen – aber der Autor in ihm stört. Daher ist ihm das Mittagessen bei Madame de Guermantes so wichtig, um ihren Eindruck als Leserin zu erfahren. Dort trifft er auf das junge Mädchen, dessen Namen er verwechselt hatte (vgl. Nr. 274). Sie wird ihm als Mademoiselle de Forcheville vorgestellt und gibt sich, weil er es nicht rafft, zu erkennen: Es ist Gilberte (vgl. Nr. 17, 41ff)! Nach dem Tod Swanns hat ihre Mutter Odette den Graf von Forcheville geheiratet (siehe insbesondere Nr. 27, 30 und 56), der sie wiederum adoptiert hat – daher der neue Name.

Wir begehen den Fehler, die Dinge so zu präsentieren, wie sie sind, die Namen so, wie sie geschrieben werden, die Leute, wie sie Photographie und Psychologie uns als unwandelbar schildern. In Wirklichkeit aber entspricht das keineswegs dem, was wir für gewöhnlich wahrnehmen. Wir sehen, hören, begreifen die Welt völlig verkehrt. (6.235)