Proust (285)

von Bert

Letzter Tag in Venedig. Es gibt einen Brief und die Information, dass »Baronin Putbus mit Bedienung« (6.350) (vgl. Nr. 174) im Hotel logiere. Grund genug, dass Marcel den Aufstand wagt und bleiben will. Aber auch ›O sole mio‹ kann ihn über Seiten nicht in diesem Entschluss bekräftigen, so dass er im letzten Moment doch noch zum Zug stürzt. Im Zug Lektüre des Briefes: Sein bester Freund Robert de Saint-Loup heiratet Gilberte – die wissen will, warum er nicht auf das Telegramm (siehe gestern) geantwortet hat. Das war von ihr, nicht von Albertine (!) und schlecht übermittelt gewesen. Die Mutter berichtete von der Verlobung zwischen dem jungen Cambremer und Madame d’Oloron, hinter der sich niemand anderes befindet als die Tochter des Westenmachres Jupien – o tempora, o mores! Den Titel hat sie von Baron Charlus, dass er weiter mit Morel …

So verharrte ich in meiner Reglosigkeit, mit aufgelöstem Willen, dem Anschein nach ohne Entschluß; in jenen Augenblicken ist er aber wahrscheinlich bereits gefaßt: Unsere Freunde können ihn nämlich oft voraussehen. Wir aber, wir können es nicht; sonst blieben uns freilich viele Leiden erspart. (6.355)