Proust (306)

von Bert

Über den Umgang der Dienerschaft mit dem Krieg. Françoise ist nach wie vor unschlüssig, ob sie weiter Pazifistin bleiben soll, oder ob sie die Deutschen vielleicht doch hassen sollte. Marcel erhält »die Nachricht vom Tod Robert Des Saint-Loup« (7.228), der an der Front gefallen ist. Trauer und Erinnerung. »Alles, Gutes wie Böses, hatte er täglich ohne das geringste Feilschen ausgegeben, auch in seiner letzten Stunde noch, als er aus Großherzigkeit, aus dem Bedürfnis, alles, was er besaß, in den Dienst der anderen zu stellen, einen Schützengraben angegriffen hatte, so wie er eines Abends auf den Polstersitzen des Restaurants entlanggelaufen war, damit ich nicht aufstehen mußte.« (7.229) (vgl. Nr. 145).

(Sie [Françoise] sprach das Wort Boche deswegen mit mehreren B aus, weil ihr die Anschuldigungen, daß die Deutschen Mörder seien, eigentlich plausibel schienen, die aber, sie seien Boches, nahezu unwahrscheinlich wegen der Ungeheuerlichkeit der Anklage. Nur blieb dabei ziemlich schwer zu verstehen, welchen geheimnisvollen, furchtbaren Sinn Françoise dem Wort »Boche« unterlegte, da man noch im Anfang des Krieges stand, und auch wegen der Miene des Zweifels, mit der sie es auszusprechen pflegte. Denn der Zweifel, daß die Deutschen Verbrecher seien, mochte möglicherweise schlecht begründet sein, schloß aber vom logischen Gesichtspunkt aus keinen Widerspruch in sich. Wie aber sollte man daran zweifeln, daß sie Boches waren, da ja dieses Wort in der Sprache des Volkes eben einen Deutschen bezeichnete? Vielleicht wiederholte sie nur indirekt die wilden Reden, die sie damals gehört hatte und in denen das Wort »Boche« mit ganz besonderer Energie hervorgestoßen wurde.) (7.225f)