Durch die Zeit

Monat: April, 2021

Proust (329)

Bedingungen des Schreibens: »Wenn ich arbeitete, würde es nur nachts geschehen können« (7.520), was bei Proust verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus ja nicht verwundert. Wichtig ihm »nicht zu unterlasen, darin den Menschen nach dem Maß nicht seines Körpers, sondern seiner Jahre zu beschreiben« (7.424), denn für den Erzähler ist in einer Person die Zeit »inkarniert« (7.425). Es »schwindelt« (7.527) ihm etwas vor dieser Aufgabe … und dem Lesenden nach 5.164 Seiten auch etwas – aber aus Dankbarkeit.

Immerhin würde ich es zuallererst nicht unterlassen, wenn die Kraft mir lange genug erhalten bliebe, um mein Werk zu vollenden, darin die Menschen, auf die Gefahr hin, daß sie dann monströsen Wesen glichen, als Figuren darzustellen, die neben dem so beschränkten Platz, der ihnen im Raum reserviert ist, einen anderen, so beträchtlichen, im Gegensatz zum ersten maßlos in die Länge gezogenen Platz einnehmen, da sie ja, wie in die Tiefe der Jahre getauchte Riesen, gleichzeitig so weit voneinander entfernte Epochen berühren, die sie durchlebt haben und zwischen die sich so viele Tage geschoben haben – einen Platz in der Zeit.

Ende

Proust (328)

Entschluss und Wille zum Werk. Es ist nun an der Zeit. »Mein Hochgefühl war weder von Vorsicht geleitet noch von Beunruhigung getrübt« (7.510) – unser Erzähler hegt ausnahmsweise mal keine Zweifel. Das Einzige, was ihn umtreibt ist seine Gesundheit. Wird ihm nicht der Tod dazwischenkommen, das Werk ganz verhindern oder zu Teilen? Die Angst war berechtigt, denn als Proust 1922 starb waren erst zwei Drittel der Recherche publiziert. Der Rest lag zwar als Manuskript und teilweise auch als Typoskript vor, war aber vom schwerkranken Autor immer wieder umgearbeitet und gekürzt worden. Eine ›endgültige‹ Fassung existiert daher nicht.

Ich wußte sehr wohl, daß mein Gehirn ein reiches Erzbecken war, in dem es kostbare Vorkommen in unendlich weiter und mannigfacher Ausdehnung gab. Blieb mir denn aber auch Zeit, sie wirklich abzubauen? Ich war die einzige Person, die dazu imstande war. (7.511)

Proust (327)

Wenn auch schon länger tot, ist Robert de Saint-Loup, »der gewiß kein Kirchenlicht war« (7.497), auf den letzten 50 Seiten immer auch Thema. Berührende Hommage auf ihn. Marcel wird zum ersten Mal dessen Tochter vorgestellt. Ihm wird bewusst, wie eng sein Leben mit dem Roberts verbunden war. Theorie, dass man Lebe nicht in »eindimensionaler« sondern in »räumlicher Psychologie« (7.503) erzählen sollte. Weitere intrinsische Motivation zu schreiben – und, wohl nachträglich eingefügt, Ausblicke auf seine chaotische Arbeitsweise, die zuerst die Verleger und dann die Setzer in den ›wohlverdienten Wahnsinn‹ trieb.

Um aber auf mich selbst zurückzukommen, so dachte ich bescheidener an mein Buch, und es wäre sogar ungenau zu sagen, daß ich an die dachte, die es lesen würden, an meine Leser. Denn sie würden meiner Meinung nach nicht meine Leser sein, sondern die Leser ihrer selbst, da mein Buch nur etwas wie ein Vergrößerungsglas sein würde, ähnlich jenen, die der Optiker in Combray einem Käufer über den Ladentisch reichte – mein Buch, durch das ich ihnen ermöglichen würde, in sich selbst zu lesen. So würde ich auch nicht von ihnen erwarten, daß sie mich loben oder mit Tadel bedenken, sondern nur, daß sie mir sagen, ob es wirklich so ist, ob die Worte, die sie in sich selbst lesen, die gleichen sind wie die, die ich niedergeschrieben habe (wobei die möglichen Abweichungen im übrigen nicht immer daher rühren müssen, daß ich mich getäuscht habe, sondern vielleicht zuweilen auch darauf zurückzuführen sind, daß die Augen des Lesers nicht zu denen gehören, für die mein Buch das geeignete Mittel ist, um in sich selbst zu lesen). (7.505f)

Proust (326)

Heute hat Odette (siehe gestern) ihren (Schluss?)Auftritt. Sie sieht in Marcel einen Schriftsteller und in der Hoffnung, dass er sie schreibend verewigt, plaudert sie frei und offen über ihre verschiedenen Affären. Die Gastgeberin, die Herzogin von Guermantes, ehemals Madame de Verdurin, kann nicht aus ihrer Haut und versucht überall ihre Finger drin zu haben.

Was nun die Nichte [von Madame de Saint-Euverte] anbelangte, so weiß ich nicht, ob sie wegen eines Magen- oder Nervenleidens, einer Venenentzündung, einer bevorstehenden, soeben überstandenen oder fehlgegangenen Niederkunft die Musik in dieser reglosen Pose [ausgestreckt auf einer Chaiselongue] anhörte, auf die sie um niemandes willen verzichtete. Das Wahrscheinlichste ist, daß sie, stolz auf die schöne rote Seide ihres Gewandes, auf ihrer Chaiselongue einen Effekt à la Madame Récamier hervorzubringen meinte. (7.493)

Proust (325)

Manches ändert auch das Alter nicht. Der Herzog von Guermantes liebt auch seine neue Frau nicht und hält sie eine Geliebte, niemand anderes als Madame de Forcheville, die wir nach als Odette kennen, die dereinst Swann als Kokotte den Kopf verdrehte und Marcels Onkel als ›Dame in rosa‹ (vgl. Nr. 10 und 260). Portrait des alten Herzog von Guermantes.

Er [der Herzog von Guermantes], der früher fast lächerlich gewirkt hatte, wenn er die Allüren eines Theaterkönigs zur Schau trug, hatte jetzt im Aussehen etwas von wahrer Größe bekommen, ein wenig wie sein Bruder [das ist der Baron Charlus], dem er durch das Alter, das alles Unwesentliche von ihm nahm, ähnlich geworden war. Und wie sein Bruder schien auch er, der ehemals – wenn auch auf andere Weise – hochmütig gewesen war, nunmehr fast respektvoll, allerdings ebenfalls auf eine andere Art, denn er hatte nicht das Verfallsstadium seines Bruders erreicht, der so weit heruntergekommen war, daß er mit der Höflichkeit eines vergeßlichen Kranken diejenigen grüßte, die er früher verachtet hätte. (7.483)

Proust (324)

Es gilt nach wie vor Nr. 322. Heute ist es Bréauté (vgl. Nr. 34, 147, 167 und 277) an den vielfältig – und oft vollkommen falsch – gedacht wird. Auch Madame Verdurin – nun ja die Fürsting von Guermantes (Nr. 317) – bekommt (etwas) Platz. Und manche Bonmots halten für die Ewigkeit.

Sie [Madame de Varambon] war es auch, die gesagt hat: »Die Herzogin hat eine Kuh, die so schön ist, so schön, daß alle Leute sie für einen Zuchthengst halten.« (7.470)

Proust (323)

Gerade am Überlegen, ob man aus der Recherche nicht eine perfekte Netflix-Serie machen könnte. Ich stelle mir gerade vor, wie man die Salonszenen um Nr. 199 mit denen von jetzt gegenschneidet – denn augenfälliger wäre kaum was, wie die Figuren jetzt versuchen, die Figuren von damals zu geben bzw. nachzuahmen, die sie damals zu sein schienen oder meinten zu sein. Die Nachahmung eines Scheins.

»Ich bin sicher, daß er mich nicht wiedererkennt«, sagte die Vortragende zu der Herzogin. »Aber doch«, erklärte ich mit großer Bestimmtheit, »natürlich kenne ich Sie.« – »Nun, wer bin ich denn?« Ich wußte es durchaus nicht, und die Situation fing an heikel zu werden. (7.458)

Proust (322)

In dieser großen Schlussszene, in diesem letzten Salon für Figuren wie Leser:innen treten nochmals so gut wie alle Figuren der Recherche auf. Es ist hier nicht darstellbar, in welcher Eleganz Proust Veränderungen und Niedergänge der Salons und einzelner Personen im Schlussbild inszeniert. Die »abscheuliche, alte Frau« (7.443) die nun Auftritt und später Verse rezitieren wird, ist niemand anderes als Rachel, die mit der gleichen Nummer vor Jahren für Hohn und Spott sorgte (vgl. Nr. 124 und 125) – und nun, auch Jahre später, für größte Verwirrung sorgt. Demgegenüber vergehen in einem anderen Salon Stunden »und niemand erschien bei der Berma« (7.449) (vgl. Nr. 47-52, insbesondere Nr. 103), die größte Künstlerin der Zeit ist abgeschrieben.

Dennoch waren die Zuhörer verdutzt, als sie sahen, wie diese Frau [Rachel], bevor sie noch einen einzigen Ton hervorgebracht hatte, die Knie beugte, die Arme ausstreckte, irgendein unsichtbares Wesen darin zu wiegen schien, mit eingeknickten Beinen dastand und plötzlich, um höchst bekannte Verse zu sprechen, einen flehenden Ton anschlug. Alle schauten einander an und wußten nicht, was für ein Gesicht sie dazu machen sollten; einige unerzogene junge Leute erstickten ein fast unwiderstehliches Lachen; jeder warf heimlich seinem Nachbarn einen spähenden Blick zu wie bei eleganten Tischeinladungen, wenn man neben seinem Platz ein neues Instrument, eine Hummergabel oder eine Zuckerreibe findet, deren Zweck und Handhabung man nicht kennt, und nun auf einen kundigeren Mitgast starrt, der, wie man hofft, sich als erster dieser Dinge bedienen und einem damit die Möglichkeit geben wird, es ihm nachzutun. (7.455f)

Proust (321)

Reminiszenzen. Immer deutlicher wird dem Erzähler, dass er in den aktuellen überalterten Salons nichts mehr zu suchen hat, weil er da nichts mehr findet. Entschluss zu schreiben – und das ohne Störung. Schöne Ausrede, falls dann doch mal jemand vorbeischaut: »… ich hätte wegen wichtiger Dinge, über die ich mich unverzüglich unterrichten müsse, ein dringendes, überaus bedeutsames Rendezvous mit mir selbst«. (7.435)

War es aber nicht gerade, um mich mit ihnen zu beschäftigen, daß ich fern von denen leben wollte, die sich beklagen würden, mich nicht zu sehen, um mich mit ihnen gründlicher zu beschäftigen, als ich es in ihrer Gesellschaft hätte tun können, um den Versuch zu machen, ihnen ihr eigenes Inneres zu offenbaren, sie zu verwirklichen? Was hätte es genützt, wenn ich noch jahrelang Abende damit verloren hätte, dem kaum verhallten Echo ihrer Worte den ebenso eitlen Klang der meinen um des unfruchtbaren Vergnügens eines gesellschaftlichen Kontaktes willen folgen zu lassen, der jedes tiefere Eindringen unmöglich macht? War es nicht besser, daß ich versuchte, die Kurve zu definieren und das Gesetz herauszustellen, das die Gebärden, die sie machten, die Worte, die sie sagten, ihr Leben, ihre Natur bestimmte? (7.436)

Proust (320)

Über sich kreuzende Lebenswege. Der Tod ist im Salon angekommen, Stolz bei denen, die (noch) überlebt haben. Der Erzähler beginnt wieder bösartig, aber zugleich literarisch großartig zu werden: »Wenn sie [eine Dame] nicht etwas kleiner geworden wäre (was ihr, da ihr Kopf sich jetzt an einer weit tieferen Stelle befand als früher, das Aussehen gab, als habe sie, wie man sagt, bereits ›einen Fuß im Grab‹), hätte man kaum sagen können, daß sie gealtert war«. (7.424)

Wie ein an einem Flaschenzug aufsteigender Eimer das Seil verschiedene Male und an entgegengesetzten Seiten berührt, gab es keine Person, ja fast keine Dinge in meinem Leben, die darin nicht eine nach der anderen verschiedene Rollen gespielt hatten. Wenn ich eine einfache gesellschaftliche Bekanntschaft oder sogar einen rein materiellen Gegenstand nach Verlauf einiger Jahre in meiner Erinnerung wiederfand, stellte ich fest, daß das Leben unaufhörlich neue Fäden darum gewoben hatte, die sie schließlich mit dem schönen, einzigartigen Samt der Jahre weich umkleideten, ähnlich dem, der in alten Parks ein schlichtes Wasserrohr mit einer smaragdenen Hülle umgibt. (7.415f)

Proust (319)

Wie sich alles wandelt. Wie sich die Stellung Blochs über die Jahre in der Gesellschaft gewandelt hat und er jetzt Diskretion an den Tag legen kann. Der Veränderung / Das Altern des Salons als Spiegel der Veränderung / des Alterns des Erzählers.

Mehr als eine der Personen, die diese Matinee vereinte oder deren Erinnerung sie in mir wachrief, bot mir durch die Ansichten, die sie mir eine nach der anderen vor Augen geführt hatten, und durch die verschiedenen, einander entgengesetzten [sic] Umstände, unter denen sie im Lauf der Zeit in mein Blickfeld geraten waren, ein Bild, ja eine Art von plastischem Relief der wechselvollen Ansichten und verschiedenartigen Perspektiven meines Lebens , ähnlich einem markanten Punkt im Gelände, einem Hügel oder einem Schloß, der bald zur Rechten, bald zur Linken auftaucht, zunächst einen Wald zu überragen scheint, dann sich aus einem Tal erhebt und so dem Reisenden die Richtungswechsel und Höhenunterschiede des Weges aufzeigt, dem er folgt. (7.412)

Proust (318)

So alt und zerbrechlich die Mitglieder der Salons werden, so zerbrechlich werden auch die Einstellungen und Etikette der Salons. Über die Vergänglichkeit großen Namen und Geschlechtern. Ach ja und übrigens: Die Jugend (und gerade die amerikanische), die hat echt keine Ahnung von dem, auf was es ankommt, aber sowas von nicht!

Wie eine altersschwache große Dame hatte der Faubourg Saint-Germain nur noch ein schüchternes Lächeln für unverschämte Domestiken, die in seinen Salons eindrangen, dort seine Orangeade tranken und ihre Mätressen vorstellten. (7.392)

Proust (317)

Die Satire nimmt tragische Züge an. Marcel hält Gilberte für ihre Mutter und als er diese, also Odette, dann trifft, hat sie »das Aussehen einer sterilisierten Rose« (7.381) (vgl. Nr. 37!). Erst als er seinen Namen nennt und »dank diesem Zauberwort das Aussehen eines Erdbeerbaums oder eines Kängurus ablegt« (ebd.) erkennt sie ihn. Auch Bloch ist gealtert. Neuste Nachrichten aus der High Society: Madame Verdurin ist nun die Fürstin von Guermantes!

Mir aber, der ich einst so lange Strecken zurückgelegt hatte, um sie im Bois zu sehen, der ich das erstemal, als ich in ihrem Haus war, den Klang ihrer Stimme wie eine Köstlichkeit von ihren Lippen hatte fallen hören, schienen die jetzt in ihrer Nähe verbrachten Minuten unendlich lang, weil mir nichts einfiel, was ich zu ihr hätte sagen können, und ich entfernte mich, während ich mir eingestand, daß die Worte Gilbertes: »Sie halten mich für meine Mutter« nicht nur die Wahrheit trafen, sondern für die Tochter eher schmeichelhaft waren. (7.382)

Proust (316)

Seit nun schon über 40 Seiten ätzt der Erzähler über das Alter(n), aber das mit einem Reichtum, einem Geschick, filigran und chirurgisch präzise, dass es nur so eine Freude ist. Mein Highlight heute: »… er hatte sich seinen Schnurrbart abrasiert, was genügt hatte, um ihn seine Persönlichkeit verlieren zu lassen« (7.375).

Jemanden »wiederzuerkennen« und, mehr noch, ihn, den man nicht wiedererkennen kann, dennoch zu identifizieren, bedeutet, unter einer gleichen Benennung zwei konträre Dinge zu denken, das heißt einzusehen, daß das, was hier war, die Person nämlich, an die man sich erinnert, nicht mehr ist, und das, was hier ist, eine Person ist, die man nicht kannte; es bedeutet, daß man an ein fast ebenso verstörendes Geheimnis wie das des Todes denken muß, für das es im übrigen etwas wie eine Vorrede und eine Ankündigung ist. (7.366f)

Proust (315)

Es altern immer nur die anderen. Man selber bleibt jung – für sich und für die eigene Mutter. Welch ein Trugschluss! Auch vor gut 100 Jahren waren Alter und Krankheit beliebte Gesprächsthemen. Aber es gibt ›Hoffnung‹, manche Menschen altern nicht sondern »waren keine Greise, sondern ungewöhnlich verwelkte junge Leute von achtzehn« (7.360). Proust ätzt weiter.

Manche von den Männern hinkten; man merkte dabei sehr wohl, daß sie es nicht infolge eines Unfalls mit dem Wagen, sondern nach einem ersten Schlaganfall taten und weil sie bereits, wie man sagt, mit einem Fuß im Grab standen. Während das ihre ebenfalls schon halb geöffnet vor ihnen lag, schienen gewisse halbgelähmte Frauen nicht mehr recht ihr bereits am Grabstein hängengebliebenes Kleid losmachen zu können, sie vermochten sich nicht mehr gerade aufzurichten. Geneigt und mit gesenktem Kopffolgten sie jener Kurve, die sie nunmehr zwischen Leben und Tod vor dem letzten Sturz beschrieben. Nichts konnte gegen die Wendung dieser Parabel aufkommen, die sie einfach in ihre Bahn einbezog; sobald sie sich aufrichten wollten, fingen sie zu zittern an, und ihre Finger waren nicht mehr imstande, etwas festzuhalten. (7.362f)

Proust (314)

Marcel betritt nun (endlich) den Salon (vgl. Nr. 307) und fühlt sich wie auf einem »Maskenball« (7.342*), denn es braucht, bis er endlich alle erkennt, da sie … alt geworden sind! Wohl die (tunten)bösartigsten Seiten der gesamten Recherche. Aber was hilft schon Bösartigkeit? »Da bemerkte ich, der ich seit meiner Kindheit immer nur von einem Tag auf den anderen lebte und der ich mir von mir selbst und den anderen ein definitives Bild gemacht hatte, an den Metamorphosen, die sich an all diesen Leuten vollzogen hatten, zum erstenmal die Zeit, die für sie vergangen war; das aber trug mir die bestürzende Offenbarung ein, daß sie ebenso für mich vergangen war. « (7.347)

Der Fürst zeigte immer noch beim Empfang der Gäste die wohlwollende Miene eines Königs aus einem Märchenspiel, die ich beim ersten Mal bei ihm festgestellt hatte, diesmal aber hatte er sich offenbar selbst der Etikette verschrieben, die er seinen Gästen auferlegte, und sich einen weißen Bart umgehängt, sowie seine Füße mit einer Art von bleiernen Sohlen beschwert; anscheinend hatte er es übernommen, eines der »Lebensalter« darzustellen. Sein Schnurrbart war ebenfalls weiß, als sei auf ihm etwas von dem Reif aus dem Wald des kleinen Däumlings hängengeblieben, und schien den darunter erstarrten Mund zu behindern; er hätte ihn, nachdem er seine Wirkung getan, einfach abnehmen sollen. Tatsächlich erkannte ich ihn nur mit Hilfe einer Überlegung wieder und indem ich aus der schlichten Ähnlichkeit gewisser Züge auf eine Identität der Person meine Schlüsse zog. Ich weiß nicht, was der kleine Fezensac auf sein Gesicht getan hatte, aber während andere teils die Hälfte ihres Bartes, teils nur ihren Schnurrbart mit einer weißen Schicht überdeckt trugen, hatte er, ohne sich bei solchen bloßen Umfärbungen aufzuhalten, ein Mittel gefunden, sein Gesicht mit Runzeln und seine Brauen mit struppigen Haaren zu versehen; all das stand ihm übrigens nicht, sein Gesicht machte einen verhärteten, zu Bronze erstarrten, zeremoniösen Eindruck und ließ ihn soviel älter erscheinen, daß man nicht mehr für möglich gehalten hätte, das alles gehöre einem jungen Mann. Sehr viel mehr noch staunte ich im gleichen Augenblick, als »Herzog von Châtellerault« einen kleinen Greis mit einem silbernen Diplomatenschnurrbart bezeichnet zu hören, in dem nur ein winziger gleichbleibender Rest des Blicks mir gestattete, den jungen Mann wiederzuerkennen, den ich einmal als Besucher im Haus von Madame de Villeparisis angetroffen hatte. (7.337f)

*Dank meinem Mann und der Deutschen Post ab jetzt wieder mit Seitenzahlen. Sie leben hoch!

Proust (313)

Weiteres zur „Literaturtheorie“ Marcels respektive Proust’s, mit dem (für mich absoluten) Kernsatz:

In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, eigentlich der Leser seiner selbst.

Proust (312)

Am Werk arbeitet immer die eigenen »Kümmernisse« mit. Schreiben, und damit meint der Erzähler und in diesem Fall auch der Autor, autobiographisches Schreiben, ist immer ein Wiederdurchleiden. Aber es sind die Gefühle, die das Leben und die Literatur ausmachen. Stärkste Motoren sind entweder die Liebe oder eben das Leiden unter der fehlenden Liebe, bzw. Leiden an sich.

»Die Leiden sind verborgene, verhaßte Diener, die man bekämpft, unter deren Herrschaft aber man mehr und mehr gerät; grausame, unersetzbare Diener, die uns auf unterirdischen Wegen zur Wahrheit und zum Tod führen. Glücklich, wer die erste vor dem zweiten gefunden hat und für den, wie nahe sie auch zusammenliegen mögen, die Stunde der Wahrheit vor der des Todes schlägt!«

Tale Lady's Kitchen

und Ibrahim wusste auch nicht was Mangold ist

KuBra Consult

Acta, non verba

Randen und Marillen

Glücksgefühle am Küchentisch

FEL!X KITCHEN

Asiatische Zutaten und europäische Kochtechnik? Nicht ausschliesslich! Westliche Klassiker neu definiert? Aber klar doch! Kurz: was ich hier in Thailand so für mich und für Gäste koche. Und dazu noch eine ganze Menge Hintergrundinformation.

easy cooking for everyone

Kochen, Präsentieren und Genießen für Jedermann. Einfache Rezepte, bewußte Ernährung und voller Geschmack stehen im Vordergrund. Jeder kann und soll Essen genießen.

Küchenereignisse

Von hart Gesottenem und weich Gekochtem

cahama

BESSER : SELBSTGEMACHT !!

GUT-ESSER

Ehrliches Essen, Kochen, Geniessen

MasslosKochen

Hier finden Genießer alles, was das kulinarische Herz höherschlagen lässt: Rezepte, kulinarische Ausflugsziele und Lokaltipps.

German Abendbrot

Das Leben ist zu kurz für schlechtes Essen

Tutto paletti

Perfekt auf die entspannte Art

What makes me stumble

io scrivo quel che voglio quando voglio

Carax&VanNuys

Wir. Gastronomiegeschichten. Gesellschaftsbeobachtung. Gehirnfasching.

brigwords

Leben berührt - Gedichte und Geschichten

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.