Proust (315)

von Bert

Es altern immer nur die anderen. Man selber bleibt jung – für sich und für die eigene Mutter. Welch ein Trugschluss! Auch vor gut 100 Jahren waren Alter und Krankheit beliebte Gesprächsthemen. Aber es gibt ›Hoffnung‹, manche Menschen altern nicht sondern »waren keine Greise, sondern ungewöhnlich verwelkte junge Leute von achtzehn« (7.360). Proust ätzt weiter.

Manche von den Männern hinkten; man merkte dabei sehr wohl, daß sie es nicht infolge eines Unfalls mit dem Wagen, sondern nach einem ersten Schlaganfall taten und weil sie bereits, wie man sagt, mit einem Fuß im Grab standen. Während das ihre ebenfalls schon halb geöffnet vor ihnen lag, schienen gewisse halbgelähmte Frauen nicht mehr recht ihr bereits am Grabstein hängengebliebenes Kleid losmachen zu können, sie vermochten sich nicht mehr gerade aufzurichten. Geneigt und mit gesenktem Kopffolgten sie jener Kurve, die sie nunmehr zwischen Leben und Tod vor dem letzten Sturz beschrieben. Nichts konnte gegen die Wendung dieser Parabel aufkommen, die sie einfach in ihre Bahn einbezog; sobald sie sich aufrichten wollten, fingen sie zu zittern an, und ihre Finger waren nicht mehr imstande, etwas festzuhalten. (7.362f)